Wenn ein Problem einfach so verschwindet…

Stellt euch vor – ihr sitzt im Zug und macht die Bekanntschaft einer sehr sympathischen Frau. Ihr unterhaltet euch ungezwungen und dann ist dieser eine Moment der Vertrautheit und ihr erzählt, was euch auf der Seele brennt. Schließlich werdet ihr diese Frau niemals wiedersehen.

So beginnt die Geschichte Die folgsame Tochter von Lisa Unger.

Selena hat ihren üblichen Zug verpasst und nimmt einen später von der Arbeit nach Hause. Sie lernt Martha kennen, und erzählt ihr in einem schwachen Moment, dass die glaubt, dass ihr Mann sie mit der Nanny betrügt. Und das ist nur die abgeschwächte Version. Tatsächlich weiß sie es, denn sie hat die beiden gerade über die „Nannycam“ erwischt, auf dem Spielteppich der Kinder.

Martha fragt: „Was wäre, wenn dein Problem einfach so verschwinden würde?“ – Zu schön um wahr zu sein – denn Probleme verschwinden ja nicht einfach. Doch die Nanny verschwindet einen Tag darauf spurlos.

Für Selena verändert das alles: ihre Ehe ist am Ende, sich das einzugestehen ist nicht einfach, und dann gerät auch noch der untreue Ehemann in Verdacht, mit dem Verschwinden der Nanny zu tun zu haben. Und Martha – aus dem Zug – schickt Nachrichten. Naja, und das Martha nicht Martha heißt, das können wir uns ja denken. Aber wie ist das kluge Mädchen Pearl in all das verstrickt?

Fazit

Ich habe selten einen so vielschichtigen Thriller gelesen. Das eigentliche Motiv der Tat bleibt lange im Dunkeln. Alle Figuren sind irgendwie miteinander verstrickt und nur langsam klären sich die Verhältnisse. Im letzten Drittel allerdings ein bisschen schnell, fast fahrig, dass ich den Eindruck hatte, das Buch muss fertig werden. Aber dennoch ist Die folgsame Tochter absolut empfehlenswert – so viel Drama, so viel Betrug, so viele Lügen und doch ein Funken Hoffnung.

Lisa Unger: Die folgsame Tochter aus dem Amerikanischen von Anke Angela Grube, 480 Seiten, Lübbe, 11 Euro, ISBN 978-3-404-18543-6

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