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Heißes Zeug aus Schweden!

Mit ihrem Debüt Löwenzahnkind hat Lina Bengtsdotter einen Überraschungserfolg in Schweden gelandet. Löwenzahnkind wurde in der Kategorie bestes Krimidebüt ausgezeichnet.

Die Story beginnt in Gullspång, einer Kleinstadt in Westschweden. In einer heißen Sommernacht verschwindet die 17jährige Annabelle spurlos. Die Stockholmer Polizei schickt seine fähigste Ermittlerin Charlie Lager und ihren Kollegen Anders. Was bis dahin niemand weiß: Charlie ist in Gullspång aufgewachsen.

Zum einen ist das ein riesiger Vorteil, denn sie kennt die Umgebung wie ihre Westentasche und weiß, wie Teenager hier ihre Freizeit verbringen. Zum Anderen aber kämpft Charlie mit ihrer eigenen Vergangenheit.

Und es ist die Heimatstadt der Autorin selbst – sie beschreibt Gullspång so: „Eine kleine Industriestadt mit sechstausend Einwohnern, den jüngsten Müttern im Land, schlechter Zahngesundheit und  hoher Arbeitslosigkeit.“ Alkohol ist in der ganzen Stadt ein großes Thema. Alkoholiker-Eltern, betrunkene Teenager und tragischerweise hat die Ermittlerin auch ein ziemlich großes Alkoholproblem und nimmt dazu noch Antidepressiva. Keine besonders gute Mischung.

Aber Charlie hat alles im Griff – wird aber auch zwischenzeitlich suspendiert. Trotzdem leistet sie über 400 Seiten gute Arbeit, befragt Annabelles Familie, ihre Freunde und findet raus, dass Annabelle mit einem älteren, verheirateten Mann ein Verhältnis hatte. Und dann taucht ein Video auf, das Annabelle in ihrer letzten Nacht zeigt. Zu sehen ist ihre Vergewaltigung.

Der Täter ist auch schnell gefunden, aber er bestreitet mit Annabelles Verschwinden etwas zu tun zu haben. Und auch wir erfahren erst ganz zum Schluss was wirklich mit ihr passiert ist. Und das ist ganz raffiniert gemacht. Im Ermittlungsstrang der Geschichte gibt es eine weitere Zeitebene mit der Überschrift: Jener Abend – in dem nach und nach aufgedeckt wird, wer wann mit Annabelle Kontakt gehabt hat.

2 Dinge machen meiner Ansicht nach diesen Thriller so besonders. Zum einen tritt der Fall, um den es hier geht – nämlich das Verschwinden der 17jährigen Annabelle – in den Hintergrund. Die Geschichte erzählt eigentlich, wo Charlie, die Ermittlerin, herkommt, wer ihre Mutter war, ihre Großmutter und welche Schuld Charlie auf sich geladen hat.

Zum anderen zeigt uns die Autorin eine Stadt mit Einwohnern, die an der Armutsgrenze leben, die in der nahen Papierfabrik oder im Sägewerk arbeiten müssen, ohne eine Wahl zu haben. Die Frage der Wahl stellt sie öfter – können die Menschen der einkommensschwachen Region frei entscheiden etwas aus ihrem Leben zu machen? Wie groß ist die Ausweglosigkeit aus einer Welt, in der sich schon Teenager mit Drogen betäuben müssen, um ihr Leben zu ertragen?

Fazit

Ein spannender Thriller – nicht nur für Schwedenkrimifans. „Löwenzahnkind“ führt uns in die soziale Unterschicht Schwedens. Dabei wirken die Beschreibungen der heruntergekommen ehemaligen Industriestadt und ihrer Bewohner nicht aufgesetzt, sondern äußerst glaubhaft. Und es ist alles drin: taffe, aber süchtige Ermittlerin, eine kleine Liebesgeschichte und traumatische Ereignisse. Ein äußerst vielschichtiger Roman bei dem die Spannung konstant hoch bleibt. 

Als hätte die Autorin Lina Bengtsdotter den Erfolg ihres Debüts schon geahnt, ist Löwenzahnkind der Auftakt einer Reihe. Die Polizistin Charlie Lager wird weiter in Gullspång ermitteln.

Lina Bengtsdotter: Löwenzahnkind, aus dem Schwedischen von Sabine Thiele, 448 Seiten, 13,00 Euro, Penguin Verlag, ISBN 978-3-328-10381-3

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