Wir haben unseren kleinen Camper gepackt und sind aus der Kleinstadt Libby in die absolut, wilde Wildnis gefahren. Ich war überrascht, dass es so viele Übernachtungsmöglichkeiten mitten im Nirgendwo gibt. Aber wir wollten es wilder! Kurz bevor der „Lake Creek Trail“ zu den „Geiger Lakes“ losgeht, gibt es einen kleinen Wendehammer. Hier haben wir den Camper abgestellt und das Zelt aufgebaut.

Es war ein ruhiger Nachmittag.

Und hier eine außergewöhnliche Buchempfehlung: „Mark of the Grizzly“ von Scott McMillion. Der Autor erzählt in 19 kurzen Geschichten, wie Menschen von Bären angegriffen werden und warum. Zum Beispiel von Ann und Christine, die 1994 Opfer einer Attacke geworden sind, obwohl sie alles getan haben, was möglich ist: 1. sei laut und warne den Bär, besonders, wenn du die Gegend nicht einsehen kannst, 2. renne nicht, 3. benutze dein Bären-Spray, wenn er angreift. Der Bär tötet normalerweise keine Menschen, um sie zu essen. Er verteidigt nur sein Revier oder sein Essen. Die beiden überleben schwerverletzt und müssen sich dann über Meilen den Berg hinunter schleppen mit der Angst, dass der Bär jederzeit wieder angreifen kann. Das wäre heute noch genauso – in der Wildnis gibts keinen Handyempfang und Hilfe ist oft Meilenweit entfernt.

Hätte ich das Buch mal lieber nicht gelesen! Denn in der Nacht – im Zelt – in der Wildnis – habe ich kein Auge zugemacht.

Ich hatte Besuch und das nicht zu knapp. Jedesmal hat mein Herz wild angefangen zu klopfen und kalter Schweiß ist ausgebrochen. In der Nacht ist jedes Geräusch lauter, jedes Problem größer und auch Mäuse können sich ganz schnell in Grizzlys verwandeln – man muss nur ganz genau hinhören.

Ein Stachelschwein hat mein Zelt mehrfach umkreist. Es kam so nah, dass ich Angst hatte, es schlitzt mir die Zeltwand auf.

Mäuse waren mal hier mal da.

Ein Reh oder mehrere konnte ich hören, eine Eule die näher kam. Vielleicht auch das Stinktier, das Christa am Nachmittag gerochen hat.

Der absolute Höhepunkt dieser Nacht war der Besuch eines Kojoten, in dessen Revier ich mich einquartiert hatte. Er war so sauer, dass er mein Zelt mehrfach angepieselt hat!

Und ich? Ich hab mich totgestellt. Ich war der glücklichstes und müdeste Mensch der Welt, als die Sonne aufging. Jetzt weiß ich, mit etwas Lärm, wären alle Besucher schnell verschwunden.

Lake Creek Trail

In unseren Rucksäcken sind Sandwiches, Cookies, Bananen, Bonbons und 2 Flaschen Wasser. Rich hat sein Survival-Pack natürlich mit dabei! Und jeder hat das Bären-Spray griffbereit.

Bevor wir starten, müssen wir uns registrieren, damit die Ranger, sollte uns was auf dem Wanderweg passieren, wissen, wem es passiert ist 🙂

5 Meilen wandern wir – nicht steil, aber stetig – den Berg rauf. Ich muss mehrmals ausruhen und tief Luft holen, ich bin die Höhen einfach nicht gewohnt. Aber irgendwann bekommt man seinen „second breath“ und es wird leichter.

Und jede Anstrengung ist vergessen bei dieser Aussicht in den Cabinet Mountains.

Es wird langsam kühler und windig. Rich hält Ausschau nach Spuren von Bären und tatsächlich, die Bären haben sich an den vielen Blaubeeren, die entlang des Weges wachsen, bedient. Kleine, fast zarte Bisse sind an den Büschen zu erkennen.

1x Eulenkotze, 1x Pferdeäpfel, 1x deer poop bis zum ersten Geiger Lake.

Eigentlich wollten wir hoch zum Pass, um von dort aus auf beide Seen zu schauen und vielleicht ein paar Ziegen zu fotografieren. Aber der Wind und meine nicht vorhandene Kondition haben uns den kürzeren Weg zum „Upper Geiger Lake“ einschlagen lassen:

Hier oben hatte ich das beste Peanutbutter-Jelly-Sandwich EVER!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: