Die israelische Autorin Zeruya Shalev wurde mit ihrer Trilogie „Liebesleben“ – „Mann und Frau“ und „Späte Familie“ bekannt. Liebesleben wurde zum Weltbestseller und auch durch die Verfilmung in Deutschland ein riesen Erfolg. 2015 ist „Schmerz“ erschienen. Ein Buch, in dem wir die tiefe, fast extreme Leidenschaft und emotionale Grenzerfahrung wiederfinden. Und das alles vor dem Hintergrund eines zerrissenen Landes, in dem die Menschen täglich neu versuchen, mit den Gefahren des Terrors umzugehen.

In Jerusalem lebt die 45jährige Iris, seit rund 20 Jahren mit Micki verheiratet, Mutter von 2 Kindern und erfolgreiche Schulrektorin. Doch Iris quält der Schmerz – vor 10 Jahren wurde Sie Opfer eines Selbstmordanschlages. Ihr Körper flog durch die Luft, wurde nahezu zerfetzt und noch sitzen Splitter tief, die nicht entfernt werden konnten…

Shalev selbst wurde 2004 Opfer eines Terroranschlags in Jerusalem und erzählt uns, wie sie den Anschlag überlebt hat und auch über ihre Verletzungen. Immer wieder taucht die Frage auf, was wäre gewesen, wenn ich an diesem Tag nur 5 Minuten früher oder später oder gar nicht dort gewesen wäre… Es war wohl Schicksal.

Diesem Schicksal, dass alles entscheidet, gibt sich auch Iris hin. Aber es kommt der Zeitpunkt, an dem sie aktiv Entscheidungen treffen muss und wird. Alles beginnt mit der Entscheidung zur Schmerztherapie. Ein gut konstruierter Roman, dann diese Entscheidung ist der Punkt der Auflösung. Iris behandelnder Arzt ist ihre Jugendliebe.

Eine Liebe, über die Iris nie hinweg gekommen ist. Als er sie verlassen hat, lag sie wochenlang im Bett, nicht fähig sich zu bewegen oder zu essen. Der Schmerz war so tief, dass sie keinen Sinn mehr im Leben gesehen hat.

Jetzt mit ihrem Wiedersehen brechen die alten Wunden wieder auf und Iris beginnt eine Leidenschaftliche Affäre mit ihm – es entsteht ein emotionales Chaos aus Schmerz – seelisch und körperlich – Liebe, Leidenschaft, Schuldgefühlen und es schwingt eine Art Aufbruchsstimmung mit – denn Iris Leben steht kurz vor einer massiven Veränderung.

Fazit:

„Schmerz“ von Zeruya Shalev ist kein Roman, den man eben mal so weg liest. Er ist tiefgründig und macht darauf aufmerksam, dass wir mit dem was wir haben glücklich sein können. Iris tut mir ein bisschen Leid – schließlich hat sie fast 20 Jahre ihres Lebens gelitten. „Schmerz“ ist für mich das perfekte Buch für eine emotionale Achterbahnfahrt auf dem Sofa mit einer heißen Tasse Tee, dem Lieblingskuschelpulli und Wollsocken. Großartige Literatur!

Zeruya Shalev: „Schmerz“, 384 Seiten, 24 Euro, Berlin Verlag, ISBN 978-3-8270-1185-5

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