„Ich wusste gar nicht, dass J.K. Rowling Krimis schreibt“ habe ich in den letzten Tagen recht oft gehört – deshalb hier ein kleines Special zu J.K. Rowlings Krimireihe unter dem Pseudonym Robert Galbraith.

Schon im November 2013 ist der erste Teil „Der Ruf des Kuckucks“ in Deutschland erschienen und jeder wusste sofort, wer hinter dem Pseudonym Robert Galbraith steht. Warum? Vertraue nie deinem eigenen Anwalt. J.K. Rowling hatte es ihm erzählt, der wiederum hat nicht dicht gehalten und seine Ehefrau ins Vertrauen gezogen. Die hat es natürlich der besten Freundin erzählt und so weiter…

Und ohne diese stille Post, wäre das Buch wohl auch gar nicht auf der Bestseller-Liste gelandet. Zwei Monate nach Erscheinen waren nämlich erst rund 1.500 Exemplare verkauft.

Nachdem alle wussten, wer hinter dem Pseudonym steckt – schnellte der Absatz um ACHTUNG: 41.000 % nach oben.

Aber eigentlich wollte Rowling nur testen, ob auch ohne ihren berühmten Namen das Buch ein Erfolg wird. Und das ist gründlich in die Hose gegangen 🙂

Der Blanvalet-Verlag hat einen riesigen Coup gelandet. Sie haben das Manuskript gekauft, bevor bekannt war, wer hinter Robert Galbraith steckt und es für einen lächerlichen 4-stelligen Betrag bekommen. Das war richtig Glück, wenn man sich den Erfolg mal vor Augen führt. Hier zieht das Phänomen: Berühmte Autorin?! – Muss ich lesen, egal, wie gut oder schlecht es ist.

Stellt sich die Frage nach dem Stil – schreibt Rowling so, wie wir es von Harry Potter gewohnt sind?

Nein, es gibt keinerlei Anzeichen im Schreibstil, keine Redewendungen oder Floskeln, die man eindeutig J.K. Rowling zugeordnen kann. Also neues Genre – neuer Stil. Rowling hat mit ihrem Pseudonym auch einen komplett neuen Autor geschaffen. Sie selbst sagt aber – alle Romane verbindet eine Frage: Wer war es, warum hat er es getan und wie? Ja, das hat Harry Potter tatsächlich mit der Krimireihe gemeinsam.

Teil 1: Der Ruf des Kuckucks

Das Supermodel Lula Landry – auch „Cuckoo“ genannt – stürzt in der Nacht vom Balkon ihrer Penthouse-Wohnung im Londoner Stadtteil Mayfair. Die Polizei geht von Selbstmord aus – nur der Bruder des Opfers – der reiche Anwalt John Bristow – will das nicht glauben. Er wendet sich an den abgehalfterten Privatdetektiv Cormoran Strike. Ein Ex-Soldat, der bei einem Einsatz in Afghanistan seinen linken Unterschenkel verloren hat. Gerade frisch getrennt von seiner Verlobten schläft er im Büro auf einem Feldbett und steht kurz vor der Pleite, weil die Aufträge fehlen.

Strike glaubt nicht so recht an die Mordtheorie Bristows, doch seinem Angebot kann er nicht widerstehen. Bristow zahlt einfach zu gut.

Zeitgleich mit dem neuen Auftrag schickt die Zeitarbeitsfirma Strike die neue Aushilfs-Sekretärin Robin. Ein echter Glücksgriff. Sie recherchiert gründlich, ist ihm in den Ermittlungen oft einen Schritt voraus und bringt schwierige Zeugen zum Reden – ein Naturtalent.

Die beiden werden ein perfektes Team und kämpfen sich durch Intrigen und Lügen der Londoner High-Society. Sie ermitteln in Lulas Umfeld, in dem jeder verdächtig ist: der Stardesigner, die beste Freundin, ein ominöser Rapper und sogar der Bruder selbst.

Teil 2: Der Seidenspinner

Die Geschichte um Privatermittler Cormoran Strike und seiner Assistentin Robin geht in die zweite Runde. Der Schriftsteller Owen Quine ist spurlos verschwunden und seine Frau bittet Strike um Hilfe. Zwar ist es normal, dass der Autor immer mal wieder ein paar Tage abtaucht ohne sich zu melden, aber diesmal ist es anders. Strike findet heraus, dass Quine gerade ein Manuskript vollendet hat, in dem er mit den Personen in seinem Bekanntenkreis abrechnet. Sollte es je zu einer Veröffentlichung kommen, würde das Buch – es heißt Bombyx Mori (Seidenspinner) für einige ungemütlich werden – das Mordmotiv! Denn Quine wird tot aufgefunden, genauso ermordet, wie die Hauptfigur in seinem Roman.

Wer also hat das Manuskript gelesen? Die Agentin? Der Lektor? Quines Geliebte? Oder auch seine Ehefrau?

Strike und Robin tauchen ein in die Welt des Verlagswesens und Robin kann Strike beweisen, dass sie mehr als nur eine Assistentin am Schreibtisch ist…

Teil 3: Die Ernte des Bösen

Teil 3 der Detektei in der Denmark Street in London, wo Cormoran Strike und Robin Ellacot erfolgreich zusammen arbeiten.

Der Postbote bringt ein Paket ins Büro. Der Inhalt: ein abgetrenntes Frauenbein. Wer will Strike eine Botschaft senden? 4 mögliche Täter fallen ihm sofort ein. Auch die Londoner Polizei ermittelt, allerdings nur in eine Richtung. Also wenden sich Strike und Robin den anderen Tatverdächtigen zu. Es gibt weitere Überfälle: auf eine Prostituierte und ein junges Mädchen.

Während Strike und Robin versuchen den Mörder zu fassen, erfahren wir in diesem dritten Teil mehr über das Ermittlerduo – über ihre Vergangenheit, ihre Beweggründe und ihre Gefühle. Beide kommen sich so nah wie nie zuvor und verletzen sich prompt als Strike Robin feuert, weil sie sich selbst in Lebensgefahr gebracht und gegen seinen Willen gehandelt hat. Robin trägt eine tiefe Narbe davon als sie auf den Mörder trifft. Und das alles auch noch vor ihren Hochzeitsvorbereitungen mit ihrem Jugendfreund Matthew. Ja, Robin will heiraten!

Nach und nach wird die Krimi-Reihe besser – es scheint fast so, als hätte Rowling erst einen Weg zu ihrer eigenen Geschichte suchen müssen. Mit Teil 3 hat sie ihn eingeschlagen und ist ihn in Teil 4 weitergegangen. Insgesamt eine passable Krimireihe, in echt englischer Manier á la Sherlock Homes – gut und klar konstruiert. Jeder Teil lässt sich auch ohne Probleme einzeln lesen. Strike und Robin werden mit jeden Teil zu tiefgründigeren Figuren, da Rowling immer mehr über ihre Vergangenheit aufdeckt und uns an ihren Gefühlen und Gedanken teilhaben lässt. Man kann sich ihnen nicht mehr entziehen. Und ihre Beziehung zueinander wird immer schwieriger… Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht? Dieses Beziehungsdrama hinter der Krimikulisse ist meisterlich erzählt.

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