10 Jahre Bataclan

Heute jährt sich der Anschlag auf ein Konzert im Bataclan, Paris. Damals starben 130 Menschen durch Anschläge und Selbstmordattentate in der Stadt. Allein 90 davon im Bataclan. Am 22. Mai 2017 zündet ein Attentäter eine Bombe nach dem Konzert von Ariana Grande in der Manchester Arena 22 Menschen sterben.

Es sind Taten, die wir nie für möglich gehalten haben und uns aus der Bahn werfen. Wie oft habe ich schon bei Großveranstaltungen gedacht, was dort alles möglich wäre, ob ich überleben würde, ob ich davon live berichten könnte und vor allem, was macht das mit den Überlebenden.

Dieser letzten Frage ist Jan Costin Wagner nachgegangen in seinem neuen Roman Eden. Da ist eine gut funktionierende Familie: Markus, Kerstin und ihre Tochter Sofie, 12 Jahre alt. Markus überrascht Sofie mit Karten für ein Konzert ihrer Lieblingssängerin – mit dabei Sofies Tante (und Markus Schwester) und ihre Cousine. Ihr ahnt, was passiert. Sofie wird den Abend nicht überleben, weil eine Bombe gezündet wird.

Für Markus und Kerstin, Tante Isabel und Cousine Lotte steht das Leben still. Ebenso für Toby, der ein bisschen verliebt in Sofie war. Und das Leben um sie herum, geht weiter. Was werden sie tun? Wie hat sie der Tod Sofies verändert? Während die Eltern noch mit dem Unaussprechlichen kämpfen, wir ihr Verlust politisch instrumentalisiert und Markus kann nicht still zuschauen. Er geht ins Gespräch mit den Medien und nimmt sogar Kontakt zur Familie des Attentäters auf. Und vieles strebt automatisch in eine nicht geahnte Richtung.

Fazit

Das sind wir von Jan Costin Wagner gewohnt: harter Stoff in kurzen, prägnanten Sätzen. Eden hat mich nicht losgelassen, während ich diesen Beitrag schreiben, gehen mir noch mal all dieser Verlust, die Wut und die Hoffnung auf Versöhnung durch den Kopf. Jan Costin Wagner lässt alle Positionen in Eden zu Wort kommen – die Reflektierenden, die Rechten, aber auch die des Attentäters. Feinfühlig und differenziert – große Literatur in einer Welt, die sich verändert hat.

Jan Costin Wager: Eden, 320 Seiten, Galiani Berlin, 24 Euro, ISBN 978-3-86971-259-8

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