Der Glaube einer anderen Welt

Der Übertritt vom Diesseits ins Jenseits kann manchmal ins Stocken geraten. Da braucht es jemanden der hilft. Ahh, ich liebe diese Bücher, wenn es Herbst wird.

Es ist auch nicht das erste seiner Art, dass ich dazu in die Finger bekommen habe. Da gab es zu Beispiel die Erinnerungsfotografen von Sanaka Hiiragi aus Japan. Hier gilt es einen letzten, wichtigen Augenblick zu fotografieren, um eine Erinnerung zu schaffen, die einem hilft, die Schwelle zu übertreten. Und so ganz nebenbei erfahren wir viel über das Leben der Verstorbenen.

So wie in Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei von Lee Onhwa aus Südkorea. Yeonhwa erbt von ihrer Großmutter eine kleine Konditorei. Damit weiß sie wenig anzufangen, auch nicht mit dem Berg an Schulden. Yeonhwa erfährt dann aus dem Testament, dass sie ein Vermögen erbt, wenn sie verspricht, die Konditorei einen Monat lang zu führen und zwar nur von 22 Uhr mit Mitternacht.

Wer kommt denn so spät in eine Konditorei? Zu einer Bäckerin, die als Kind das letzte Mal mit ihrer Großmutter Teig gerührt hat?

Die erste Besucherin lässt nicht lang auf sich warten und bestellt Schokoladen-Jeonbyeong, die bis kurz vor Mitternacht fertig sein müssen…

Fazit

Genau das richtige Buch für einen trüben Herbsttag. Ich finde die Idee von einem letzten Abschied wunderbar umgesetzt, mit kleinen Leckereien, die an die Verstorbenen erinnern sollen. Missverständnisse spielen plötzlich keine Rolle mehr, nur noch Verbundenheit, Liebe und ein Gefühl von alles ist Gut im Herzen. In Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei gibt es 4 Leben, die sich – als sie schon gar nicht mehr existieren – mit dem Leben von Yeonhwa kreuzen. Ein Leben, das weniger selbstbestimmt ist, als Yeonhwa glaubte.

Lee Onhwa: Keine Wunder in der Mitternachtsbäckerei, aus dem Koreanischen von Alexandra Dickmann, Fischer Scherz, 272 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-651-02522-6

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