Das ist mal ein anderes Zeitverständnis von Zeitreisen. Denn darum geht es im Ministerium der Zeit. 5 sogenannte Expats aus verschieden Jahrhunderten werden ins Heute geholt. Alle 5 wären sowieso gestorben, haben also keinen Einfluss auf Vergangenheit mehr – aber: auf die Zukunft.

Den Expats wird zur Eingewöhnung ins 21. Jahrhundert eine „Brücke“ zur Seite gestellt – ausgebildete Agenten, die jeden Schritt und Fortschritt der Expats dokumentieren. Unsere Ich-Erzählerin bekommt Graham Gore aus dem Jahr 1847 zugewiesen. Er befand sich zum Zeitpunkt seiner „Entnahme“ auf der Arktis-Expedition von Sir John Franklin. Die Schiffwracks der gescheiterten Expedition fand man erst 2014/2016 wieder.
Die Ich-Erzählerin freundet sich mit den Expats an, in Graham Gore verliebt sie sich. Sie leben in ihrer eigenen Welt, abgeschirmt von der Gegenwart. Doch irgendwas scheint nicht zu stimmen – im Ministerium gibt es ominöse Versetzungen, ein Brigardier taucht auf und irgendwas stimmt nicht mit dem Gesicht von Adela – der Leiterin der Forschungseinheit. Und dann wird es lebensgefährlich, für alle.
Fazit
Zunächst eine Bitte: Ignoriert das bunte Cover, ignoriert den Klappentext, den beides hat mich auf den Weg eines Liebesromans gebracht und das wird dem Ministerium der Zeit nicht gerecht. Es ist ein Gesellschaftsroman, Biographie, Science Fiction und Histo mit einer aufflammenden Liebesgeschichte. A la Robert Harris hängt Kaliane Bradley die Geschichte an einer historischen Begebenheit und Person auf – finde ich persönlich immer als eine Bereicherung – man schaut ja dann doch mal im Netz, was bei der Franklin Expedition so los war. Das Ministerium der Zeit ist ein großartiges Debüt. Kaliane Bradley lässt uns Zeit anders denken.
Kaliane Bradley: Das Ministerium der Zeit, aus dem Englischen von Sophie Zeitz, 384 Seiten, Penguin, 24 Euro, ISBN 978-3-328-60353-5