Der Amerikanische Traum

Imperium der Schmerzen von Patrick Radden Keefe ist schon seit längerem auf dem Buchmarkt. Und eines jeder Bücher, die ich zu den besten eines Jahrzehnts zählen würde. Keefe recherchierte Jahre lang über die Familie Sackler. Na, beim wem klingt es? Die Sacklers, denen man 2021 den Museumsflügel im MET „wegnahm“. Im Guggenheim Museum wurde gegen die Sacklers und das Sackler-Zentrum darin protestiert. Und auch das Louvre streicht den Namen von den gewidmeten Räumen. Die Sacklers galten als die Kunstmäzenen. Die Museen verzichteten auf sehr viel Geld der Milliardäre. Ihr Vermögen entstand durch Valium und mit der Erfindung von OxyContin und dessen rücksichtslose Vermarktung stürzte die Familie die USA in die Opioidkrise.

Am Anfang steht der Amerikanische Traum. Arthur Sackler kommt im Sommer 1913 in Brooklyn zur Welt, als Sohn von Migranten. Der Vater aus Galizien, die Mutter aus Polen. Zusammen betreiben sie ein kleines Gemüsegeschäft. Das läuft so erfolgreich, dass sie Familie in ein besseres Viertel ziehen kann – Arthur bekommt noch 2 Brüder, Mortimer und Raymond – und der Vater legt den Grundstein des Vermögens und der Ausbildung der Jungs mit dem Kauf von Immobilien und vermietet Wohnungen.

Arthur kümmert sich um seine Brüder. Er ist es auch, der mich am meisten beeindruckt. Gefühlt gab es in seiner Familie nie wieder so einen findigen, fleißigen – naja, schreiben wir es: Workaholic.

Er wird Psychiater, zweifelt die Lobotomie an, sucht nach Alternativen. Er arbeitet nebenbei als Autor für medizinische Fachzeitschriften und gründet ein/zwei Werbeagenturen für Pharmaunternehmen. Dann der Clou! Hoffmann-La Roche bringt 1963 Valium auf den Markt. Arthur Sackler nimmt kein Geld für Werbung, sondern lässt sich am Gewinn beteiligen.

1996 kommt OxyContin auf den Markt, wird rücksichtslos vermarktet und stürzt die USA und auch andere Länder in eine Opioid-Krise. Selbst als die ersten Menschen sterben, wird das Medikament weiter vertrieben…

Fazit

Die Geschichte der Sackler-Dynastie ist ein packender Wirtschaftskrimi. Innerhalb der Familie spielen sich Dramen ab, es geht um Geld, Macht, die weiße Weste, das Ansehen – um alles, was Milliardäre verlieren können. Patrick Radden Keefe schreibt eindrücklich über einen amerikanischen Skandal, der seines Gleichen sucht. Es ist übrigens ziemlich ruhig um die Familie geworden.

Patrick Radden Keefe: Imperium der Schmerzen, aus dem amerikanischen Englisch von Benjamin Dittmann-Bieber, Gregor Runge und Kattrin Stier, 640 Seiten, hanserblau, 36 Euro, ISBN 978-3-446-27392-4

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