Ulla Lenze hat es mit ihrem Roman Das Wohlbefinden auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Sie erzählt die Geschichte von 3 Frauen über ein Jahrhundert hinweg und setzt Heilung und Okkultismus in den den Mittelpunkt.

Und dafür nimmt sie uns mit zu den Beelitzer Heilstätten in der Nähe von Berlin. Anfang des 20sten Jahrhunderts waren hier Arbeiterinnen und getrennt von Ihnen Arbeiter untergebracht, die aufgrund von Atemwegserkrankungen behandelt wurden – ja meist Tuberkulose. Viel frische Luft, Ruhe und mächtig viel zu Essen, um gesund zu werden. 1907 kurt Anna Brenner hier, eine Frau, die als hellsichtig gilt. Das weckt in den Heilstätten Verehrung und auch Hass.
Johanna Schellmann, Diplomatentochter und Arztgattin plant – aufgezwungen von ihrem Mann – einen Roman über die Beelitzer Heilstätten zu schreiben und begegnet Anna – ein schicksalhafter Moment für beide Frauen.
Heute sucht Vanessa Schellmann, Johannas Urenkelin eine neue Wohnung und schaut sich prompt das Neubauprojekt in Beelitz an. Und zufällig bekommt sie ein altes Manuskript ihrer Urgroßmutter in den Hände – geschrieben im Jahr 1967, kurz bevor Johanna gestorben ist. Ein Rückblick auf die Geschehnisse, die sich nach der Begegnung von Anna und Johanna ereignet haben.
Fazit
Ganz schön viel drin. Von Arbeiterheilstätten, Okkultismus, Weitsicht in Forschung und Achtsamkeit, Klassenunterschiede, Befreiung, Aufstieg und Bedeutungsverlust, aber auch die Kraft der Heilung. Ich bin jeder der drei Frauen gerne auf ihrem Weg gefolgt. Leider endet die Erzählung von Anna abrupt mit ihrem Gerichtsprozess und auch hätte ich gerne den letzten Gedanken von Johanna gelesen, die am Ende ihres Lebens ins Vergessen rutscht. Besser sagt: ich wollte nicht, dass die Geschichte endet.
Ulla Lenze: Das Wohlbefinden, 336 Seiten, Klett-Cotta, 25 Euro, ISBN 978-3-608-98685-3