Viel los war in den letzten Besprechungen – ein Thriller nach dem anderen, liegt unter anderem daran, dass ich irgendwie immer einen Cliffhanger brauche, wenn ich ein Buch aus der Hand legen muss. Einen Trigger, der mich in die Geschichte zurück bringt.

Voll ausgebremst hat mich der neue Roman von Robert Seethaler: Das Café ohne Namen. 288 Seiten, für die ich gefühlt eine halbe Ewigkeit gebraucht habe, aber es doch unbedingt wirken lassen wollte.
1966 eröffnet der Gelegenheitsarbeiter Robert Simon in Wien auf dem Karmelitermarkt ein Café. Ein Herzenswunsch, dem er folgt und auch ein bisschen der Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit. Mit Rat steht im Martha Pohl zur Seite, eine Kriegerwitwe, bei der er wohnt. Mit Tat Mila, die plötzlich im Café auftaucht und fortan dort kellnert. Die Gäste kommen aus der Umgebung und jeder hat eine Geschichte – an ihren Leben haben wir teil. Leise, laut, sehnsuchtsvoll und kopfschüttelnd.
Das Café hat keinen Namen – und bekommt ihn auch nie.
Fazit
Robert Seethaler in Hochform. Er erzählt von den kleinen Details des Lebens, die es ausmachen. Er erzählt vom Anfang, dem immer schon das Ende inne wohnt und Neuanfängen. Er reduziert das Leben auf die Dinge, auf die es wirklich ankommt und das entschleunigt. Ein Buch, das man mit Aufmerksamkeit lesen sollte und bei dem es nicht auf die Lesezeit ankommt, sondern auf das, was es mit einem macht.
Robert Seethaler: Das Café ohne Namen, 288 Seiten, claassen, 24 Euro, ISBN 978-3-546-10032-8