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Fesselnd und überraschend!

Mit „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ wurde der Schweizer Autor Joel Dicker 2013 zum gefeierten Star-Autor. Sein neues Buch „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ ist seit Anfang April im Handel zu haben. Ich habs an einem Tag durchgelesen, denn ich wollte ständig wissen, wie es weiter geht. Klar, ich hätte das Ende lesen könne, aber dann wäre der ganze Spaß dazwischen auf der Strecke geblieben. Denn wieder gibt es unzählige Handlungsstränge, die sich diesmal um das Verschwinden jener Stephanie Mailer aus dem Titel drängen.

Mit ihrem Verschwinden fängt die ganze Geschichte an. Stephanie ist Journalistin und hat den Auftrag ein Buch über einen 4-fach-Mord zu schreiben, der vor 20 Jahren die Kleinstadt Orphea erschüttert hat. Der Bürgermeister und seine Familie sowie eine Joggerin wurden damals erschossen. Jesse Rosenberg und sein Kollege führen die Ermittlungen und der Täter ist schnell gefunden. Aber Stephanies Recherchen zeigen, dass die Polizei damals den Falschen verdächtigt hat. Und jetzt ist Stephanie verschwunden – man findet ihre Leiche Tage später im See.

Die beiden Ermittler von damals fangen ganz von vorne an. Joel Dicker erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und auch auf unterschiedlichen Zeitebenen. Verdächtig ist für den Leser mal der eine mal die andere – und die Lösung des Rätsels ist absolut überraschend.

Fazit

Auf jeden Fall ein Buch, das man gerne liest und schwer aus der Hand legen kann, solange man den Mörder nicht kennt. Dennoch fällt es etwas hinter den anderen beiden Romanen von Joel Dicker ab. Mir hat sich der Eindruck aufgedrängt, dass Dicker diesmal einfach zu viel wollte: Themen wie Mobbing, Zeitungsjournalismus versus Netz, Waffenschieberei, Erpressung, Untreue und so viel mehr. Nichts desto trotz ist es ein unterhaltsamer und gut konstruierter Roman, den ich guten Gewissens jedem empfehlen kann.

Joel Dicker: Das Verschwinden der Stephanie Mailer, aus dem Französischen von Michaela Meßner und Amelie Thoma, 672 Seiten, 25,00 Euro, Piper, ISBN 978-3-492-05939-8

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It’s Tea Time!

Eine große Tradition vor allem in Großbritannien – dafür würde der Brite selbst eine Brexitabstimmung unterbrechen 🙂

Zum Tee werden kleine Köstlichkeiten serviert wie Sandwiches, kleine Kuchen und englische Scones mit clotted cream und Marmelade. Das gab es bereits im 18. Jahrhundert zu Zeiten der großen Schriftstellerin Jane Austen, die eine ganz besondere Liebe zu Tee hatte.

Tea Time mit Jane Austen bringt Rezepte und Zitate der berühmten Autorin zusammen.

Zu Jane Austens Zeit war Tee ein beliebtes Getränk und ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Großbritannien. Sie selbst war in ihrer Familie für die Teezubereitung zuständig. Tee war ein teures Gut und wurde nicht dem Personal überlassen aus Angst vor Diebstahl oder Verschwendung. 

Viele Szenen in ihren Büchern spielen zur Teezeit, dann ist das Hereintragen des Teegeschirrs eine willkommene Unterbrechung für die Heldinnen in ihren Geschichten. Hier ein Beispiel aus Sinn und Sinnlichkeit:

„Das Teegeschirr wurde hereingebracht, und bereits mehr als einmal war Marianne durch ein Klopfen an einer Nachbartür enttäuscht worden (…) ‚Oh Elinor, es ist Willoughby, er ist es wirklich!‘, und schien schon bereit sich in seine Arme zu werfen, als Colonel Brandon erschien. Dies war ein zu großer Schock, um mit Fassung ertragen zu werden.“ (Zitat aus Tea Time mit Jane Austen, S. 26)

Marianne ist furchtbar enttäuscht – aber vielleicht haben kleine Macarons in Herzform diesen Moment nicht ganz so schwer gemacht. 

Ok, ihr habt mich erwischt, Marianne hatte gar keine Macarons! Denn zu Jane Austens Zeiten gehörten Snacks noch nicht zur eigentlichen Tea Time – die fand üblicherweise sogar erst nach dem Abendessen statt. Erst in den 1840er Jahren soll Lady Anna Maria Stanhope, eine Hofdame von Queen Victoria, den Nachmittagstee erfunden haben. Die Herzogin soll zum Tee immer kleiner Leckereien gegessen haben, weil sie zwischen Mittag- und Abendessen Hunger hatte.

Zu diesen Leckereien zählt auch ein herzhaftes Gurkensandwich. Auf ein Sandwichtoast kommen Frischkäse mit etwas Sahne und frischen Minzblättern aufgepeppt und mehrere Schichten dünn geschnittene Gurkenscheiben. Ein leicht zu zuzubereitender Klassiker bei der Tea Time!

Tea Time mit Jane Austen ist ein wunderbares Koch-, Back- und Lesebuch mit tollen Rezepten von süßen Kleinigkeiten, über Törtchen, Kuchen bis hin zu Sandwiches und Herzhaftem. Für Jan Austen Fans ein Muss und für alle, die ein bisschen britische Tradition auch zu Hause pflegen möchten.

Tea Time mit Jane Austen, Rezepte und Zitate, 136 Seiten, Jan Thorbecke Verlag, 26 Euro, ISBN 978-3-7995-1303-6

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Was ist Lüge?

Das neue Buch von Alexander Pechmann: Die Nebelkrähe ist schmal, aber hat es in sich. Denn die Nebelkrähe beruht auf einer wahren Geschichte, so fantastisch sie auch klingt.

London 1923: Peter Vane ist Dokorand der Mathematik am Kings College und leidet immer noch an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Er hat im 1. Weltkrieg in Frankreich gedient. Peter hört Stimmen und manchmal steht oder sitzt sein verletzter Kamerad Finley neben ihm, der gilt seit Kriegende als vermisst.

Klingt ganz nach einer Geistergeschichte, aber kann die wahr sein?

Peter will seinen Freund um jeden Preis finden. Dabei soll ihm die berühmte Spiritistin Hester Dowden helfen. Sie behauptet Kontakt mit dem Jenseits aufnehmen zu können. Und aus dem Jenseits meldet sich: Oscar Wilde.

Die Spiritistin Hester Dowden hat es tatsächlich gegeben und sie hat einen Bericht verfasst, indem sie über ihre Erfahrungen als Medium spricht. 1923 hat sie angeblich Kontakt zu Oscar Wilde gehabt und sie erwähnt auch einen Kriegsveteran, einen Mr. V. – im Buch Peter Vane. Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken – zum Beispiel spielt Wildes Nichte auch eine zentrale Rolle im Buch.

Fazit

Der Autor Alexander Pechmann bedient sich am Bericht der Spritistin und zeichnet uns ein Bild des London der 20er Jahre, in der die Wissenschaft verzweifelt den Weg suchte dem Spirtismus beizukommen. Es wurde sogar eine Organisation zu dessen Erforschung gegründet. Für mich aber war Oscar Wilde allgegenwärtig. 1923 – 23 Jahre nach seinem Tod – ist jede Schmach vergessen, er wird wieder gehypt und windige Schurken versuchen Geld daraus zu schlagen. „Die Nebelkrähe“ ist tolle Recherchearbeit, verpackt in einem klassischen Detektivroman. Einfach wunderbar!

Alexander Pechmann: Die Nebelkrähe, 176 Seiten, 18,00 Euro, Steidl, ISBN 978-3-95829-583-4

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Krimi mit Mimi 2.0

Heute gibts eine neue Folge Krimi mit Mimi in hr2-Kultur!

Bloggerin Miriam Semrau und ich stellen euch 3 Krimis vor, diskutieren komplett spontan und wir sind mal wieder nicht einer Meinung 🙂

In unserer zweiten Folge geht es um:

  • Simone St. James: Die schwarze Frau
  • Pascal Engman: Der Patriot
  • Don Winslow: Jahre des Jägers.

Habt ihr Krimi mit Mimi schon als Podcast abonnieren? Findet ihr auf hr2.de und in der ARD-Audiothek.

Oder ihr schaltet live rein: Heute um 22 Uhr Krimi mit Mimi in hr2-Kultur.

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Diese Fiktion könnte Wirklichkeit werden

In seinem Heimatland Schweden feiert man Pascal Engman für sein Debüt: Der Patriot. Mit einem Thema, das die Schweden und ganz Europa beschäftigt. Zunehmender Rechtsradikalismus, Terror und Bedrohung der Meinungsfreiheit.

Ein rechter Serienkiller macht Jagd auf alle, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Seine ersten Opfer sind Journalisten. Er will die „Lügenpresse“ zum Schweigen bringen. 

Ein Thema, mit dem sich der Autor Pascal Engman selbst auseinander setzen musste. Er hat bis 2016 noch beim Schwedischen Expressen als Journalist gearbeitet, bis er und seine Kollegen massiv von Rechtspopulisten bedroht wurden. Zum Glück blieb es bei den Drohungen. Aber mit „Der Patriot“ geht Engman einen Schritt weiter.

Journalisten werden ermordet und dabei bleibt es nicht – der Killer setzt sogar einen Terroranschlag um. Und zwar auf eine so perfide Weise, das mich das ganz schön mitgenommen hat. Er entführt die Tochter eines syrische Taxifahrers und zwingt diesen, eine Bombe vor einem Hotel hochgehen zu lassen.

Und niemand scheint den Täter aufhalten zu können. Aber dann soll es ein nächstes Opfer geben: Amanda Lilja, gerade hat auch sie einen Artikel über Flüchtlinge veröffentlicht. Und sie ist die Verbindung zu unserem Helden, einem Soldaten, einem Söldner, der nach langer Zeit nach Stockholm zurückkehrt.

Fazit

Der Patriot ist gelungen konstruiert und enthält immer wieder überraschende Wendungen. Die Geschichte ist mehr als aktuell. Und das Schlimme daran – all das, was dieser Terrorist tut, ist denkbar. Es ist ein Angriff auf unsere Welt, wie wir sie kennen, auf unsere Meinungsfreiheit, unsere Demokratie – und dieser Angriff kommt direkt aus unserer Mitte.

Pascal Engman: Der Patriot, aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller, 470 Seiten, 16 Euro, Tropen-Verlag, ISBN 978-3608503654