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Die neue Serie von David Baldacci

Heute erscheint brandneu und druckfrisch „Ausgezählt“ von Bestseller-Autor David Baldacci! Baldacci kennen wir vor allem durch seine Ermittler-Serien. Mit „Ausgezählt“ beginnt eine neue Reihe um die FBI Agentin Atlee Pine.

Und ich bin ganz begeistert von ihr! Sie ist so eine Art weiblicher Superman und steht für die Frauenpower schlechthin. Sie ist 1,80 Meter groß, durchtrainiert – sie war auf dem College eine erfolgreiche Gewichtheberin – kennt sich mit Waffen aus und hat ihr FBI Büro in einem kleinen Nest in Arizona – in erster Linie aus Patriotismus.

Agent Pine ist eine Einzelgängerin wider Willen. Als Pine 6 Jahre alt war, wurde ihre Zwillingsschwester Mercy von einem Unbekannten entführt, der nachts in ihr Kinderzimmer eingebrochen ist. Mercy wurde nie gefunden und Pine ist auf der Suche nach ihr – das geht natürlich super, wenn man eine perfekt ausgebildete Agentin ist. Und sie hat eine Spur: nach eine Hypnosesitzung glaubt sie, den Entführer in einem berüchtigter Serienkiller erkannt zu haben.

Aber es gibt auch einen aktuellen Fall zu lösen. Im Grand Canyon wird ein totes Maultier gefunden mit aufgeschnittenem Bauch und in seiner Flanke sind die Initialen J und K eingeritzt. Außerdem fehlt von einem gewissen Ben Priest jede Spur. Er war als Tourist mit der Maultiergruppe unterwegs.

Aber wirklich interessant wird es für Pine erst, als sie von dem Fall des toten Maultiers abgezogen werden soll. Ein Befehl von ganz oben. Und als dann Ben Priest auftaucht und dieser in echten Schwierigkeiten steckt, legt Pine erst richtig los.

Mit ihrer Assistentin Blum – eine Art Miss Moneypenny – reist Pine undercover, denn selbst den eigenen Leuten ist nicht zu trauen – nach Washington D.C.. Und was die beiden aufdecken gefährdet die nationale, ja sogar internationale Sicherheit. Ein Fall, in den die obersten Regierungsvertreter verwickelt sind.

Fazit

Ich fand den neuen Baldacci stellenweise zu detailliert. So ist es aber meistens am Anfang einer neuen Serie – als Autor möchte man so viel wie möglich an Infos über die neue Protagonistin reinpacken und sie damit interessant machen. Nur wirkt es hier an manchen Stellen ein bisschen langatmig. Und eine Sache geht mir einfach nicht aus dem Kopf: Sind die Amerikaner wirklich so blöd?

David Baldacci: Ausgezählt, aus dem Amerikanischen von Norbert Jakober, 480 Seiten, 22 Euro, Heyne, ISBN 978-3453272286.

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Auf alles vorbereitet!

Die Hauptfigur Walter Noack lebt in Berlin und Walter Noack ist vorbereitet. Für den Katastrophenfall. Er sammelt Vorräte in Dosen, Streichhölzer, Medikamente, Werkzeuge, Wasserfilter. In seiner Umgebung hat er Versorgungsstationen eingerichtet. Verstecke im Unterholz mit Kleidung, Lebensmitteln, Geld und Papieren, falls in Berlin alles zusammenbricht. Walter Noack ist ein so genannter Prepper. Prepper ist vom Englischen „to be prepared“ abgeleitet, also „vorbereitet sein“. 

Walter Noack hält sich dazu auch noch körperlich fit. Er geht jede Nacht joggen und schwimmt in der Spree gegen die Strömung. Und Walter hat einen sehr interessanten Job. Er arbeitet bei einer Zeitung und moderiert die online-Foren.

Und es ist eine unglaubliche Flut an Hasskommentaren, die da jeden Tag reinkommen. Insgesamt arbeiten 4 Leute im Schichtdienst daran die Beschimpfungen und Drohungen, wie Hass auf Ausländer, Wut auf die Politik und Todesdrohungen zu löschen. Dafür braucht man starke Nerven, das darf man nicht an sich ran lassen.

Zum Beispiel: „Deutschland geht an der Blödheit seiner Volkszertreter zugrunde (…) Der nächste Sommer wird in Deutschland sehr blutig!“  Mehr kann und will ich nicht zitieren. Die Kommentare sind menschenverachtend und in ihrer Masse schwer zu ertragen. Das Zitat ist aber nur ein kleiner Eindruck von dem, was der Protagonist Walter Noack jeden Tag lesen und löschen muss. Und natürlich werden Walter und seine Kollegen auch bedroht. Und wird er eines Nachts auch tatsächlich vor der Redaktion angegriffen.

Wer der Täter ist, bleibt erst mal unklar, denn Walter Noack hat ihn nicht gesehen. Der Sicherheitschef des Medienhauses ist sich allerdings ziemlich sicher: Hinter dem Angriff steckt bestimmt jemand aus der benachbarten Flüchtlingsunterkunft.

Ein paar Wochen später wird Walters Kollegin angegriffen. Gleicher Ort, gleiche Zeit. Diese Erlebnisse stürzen Noack in eine tiefe Krise. Die Gewalt wird für ihn plötzlich real, zudem fühlt er sich als Versager, trainiert wieder härter und stockt seine Vorräte auf. Man spürt richtig, wie es in Noack nagt. Aber richtig explodiert es in ihm, als sein Sohn tot aufgefunden wird.

Der Thriller kommt ganz ohne Ermittler aus und man vermisst ihn auch nicht. Dem Autor Johannes Groschupf geht es eher um eine Gesellschaftsanalyse als um die Ermittlungen. Hasskommentare, Fake News, Reichsbürger und Rechte sind im Leben von Walter Noack überpräsent. Ein Zustand, der ihn an der Welt zweifeln lässt und das als Prepper, der ja auf alles vorbereitet sein will. Das ist die explosive Mischung, die ihn antreibt, den Mörder zu finden.

Fazit

Der Autor Johannes Groschupf schreibt nüchtern und kühl. Das und die dauernd zitierten Hasskommentare erzeugen die Stimmung der Härte des Romans. Die Geschichte wird zügig erzählt und ist richtig gut. Besonders das Eintauchen in die Prepper-Szene hat mich fasziniert. Für mich ein erschreckend realitätsnaher Gegenwartsroman – den ich guten Gewissens empfehlen kann.

Johannes Groschupf: Berlin Prepper, 236 Seiten, 14,95 Euro, Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3518469613

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Thomas Harris ist zurück!

Thomas Harris, der Schöpfer von Hannibal Lecter, ist zurück. 12 Jahre mussten wir auf einen neuen Thriller von ihm warten. Er heißt „Cari Mora“ und liegt seit Montag in den Buchhandlungen. Und ich finde, das Warten hat sich echt gelohnt.

Cari Mora kommt absolut an den Grusel-, Spannungs- und auch Ekelfaktor der 4-teiligen Serie über den Kannibalen und Serienmörder Hannibal Lecter ran. Ich fands schon auf den ersten Seiten grenzwertig, aber zumutbar.

Es ist wieder ein Serienkiller am Start – nicht Hannibal Lecter – der neue heißt ganz bieder Hans-Peter Schneider. Ein widerlicher Typ, der mit vielen dreckigen Geschäften sein Geld verdient. Ein Geschäftszweig ist der Frauenhandel. Bei ihm kann man Frauen bestellen, die er je nach Wunsch körperlich anpasst, sterben sie beim Eingriff, lässt sich im Organhandel noch genug verdienen. Er hat Cari Mora, eine schöne junge Frau, die als Haussitterin in Pablo Escobars Villa in Miami arbeitet, als nächstes Opfer ausgesucht.

Die Geschichte zwischen Hans-Peter und Cari bettet Robert Harris in eine Schatzsuche ein. In Escobars Villa sollen Goldbarren im Wert von mehreren Millionen liegen. Hans-Peter könnte also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Geldreserven auffüllen und Cari körperlich „optimieren“. Aber Hans-Peters Rechnung geht nicht auf – Cari Mora entpuppt sich als eine Frau mit einem großen Geheimnis.

Fazit

Wer die 4 Romane über Hannibal Lecter mochte, der wird mit Cari Mora nicht enttäuscht. Hans-Peter Schneider ähnelt ihm in vielen Punkten. Aber mit Cari Mora als Hauptfigur hat Thomas Harris eine neuen serienfähigen Charakter geschaffen – eine starke Frau, die gegen das Böse kämpft.

Thomas Harris: Cari Mora, aus dem amerikanischen Englisch von Imke Walsh-Araya, 336 Seiten, 22,00 Euro, Heyne, ISBN 978-3453272385

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Herrlich unaufgeregt

„Das Leuchten jenes Sommers“, das kann ich vorweg schon sagen, ist ein absolutes Frauenbuch. Das Cover mit einer Frau am Meer fällt sofort auf und schon mit den ersten Seiten hat sich bei mir eine Art innere Ruhe eingestellt, die sich durch die ganze Geschichte gezogen hat.

Sie spannt sich über 2 Zeitebenen und wird auch aus 2 Perspektiven erzählt. Zum einen ist da Maddy. Sie lebt 1939 auf einem Anwesen in Cornwall. Ihre Schwester Georgiana kommt gerade von einer Europareise nach Hause, denn es soll Krieg geben. Maddy hat sie sehnsüchtig erwartet. Aber Georgiana ist nicht allein, sie wird von ihrem Freund Victor begleitet. Eine etwas zwielichtige Person…

Die zweite Zeitenende und Perspektive wird aus der Sicht der Fotografin Chloe 2009 erzählt. Sie erhält den Auftrag ein Foto von Maddy – aus ihr ist eine erfolgreiche Kinderbuchautorin geworden – für das neuste Buch zu machen. Die beiden Frauen freunden sich an und das wird Chloes Leben entscheidend verändern.

Fazit

„Das Leuchten jenes Sommers“ es trifft voll auf die 12, wenn es um Frauenliteratur geht. Es ist alles drin: Generationenroman, Cornwall und das Thema Liebe, in all ihren Facetten: als romantische Verbindung, Entdeckung des Neuen, aber auch als emotionale Abhängigkeit, Kontrolle und Gewalt. Die drei Frauen Georgiana, Maddy und Chloe werden von der Liebe angetrieben, eine Liebe, die Luft zum Atmen braucht. Jede von ihnen durchlebt einen Abnabelungsprozess. Und das vor der Kulisse Cornwalls und dem alten Herrenhaus.

Nikola Scott: „Das Leuchten jenes Sommers“, aus dem amerikanischen Englisch von Nicole Seifert, 496 Seiten, 20,00 Euro, Wunderlich, ISBN 978-3805200387

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Krimi mit Mimi 2.0

Heute gibts eine neue Folge Krimi mit Mimi in hr2-Kultur!

Bloggerin Miriam Semrau und ich stellen euch 3 Krimis vor, diskutieren komplett spontan und wir sind mal wieder nicht einer Meinung 🙂

In unserer dritten Folge geht es um:

  • Mattias Edvardsson: Die Lüge
  • Benedikt Gollhardt: Westwall
  • Kanae Minato: Schuldig.

Habt ihr Krimi mit Mimi schon als Podcast abonnieren? Findet ihr auf hr2.de und in der ARD-Audiothek.

Oder ihr schaltet live rein: Heute um 22 Uhr Krimi mit Mimi in hr2-Kultur.