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Der etwas andere Buchtipp

Es ist ein fast unglaubliches Experiment, das die Britin Louise Gray gewagt. Ein Jahr lang isst sie nur Fleisch von Tieren, die sie selbst getötet und zerlegt hat. Der Grund: Sie will darauf aufmerksam machen, woher das Fleisch auf unserem Teller kommt und uns auf unsere Verantwortung für unser Essen hinweisen. Das Jahr hat sie in diesem Buch zusammengefasst.

Der hübschen, jungen Louise Gray traut man erst mal gar nicht zu, dass sie die Schwelle des Tötens überschreiten kann.

Ihre erst Jagd wird ein Desaster. Sie schießt auf ein Kaninchen. Der Schuss sitzt nicht und das Tier flüchtet. Louise macht sich schlimme Vorwürfe. Leidet das Kaninchen jetzt? Verblutet es womöglich in seinem Bau bei seinen Jungen? Sie ist kurz davor das Experiment abzubrechen, noch bevor es richtig begonnen hat. Doch dann findet sie das Kaninchen, tot – Genickschuss.

Nach diesem Erlebnis beginnt sie erst einmal Austern zu knacken und Fische zu fangen. Es geht aber nicht nur um die Selbstversorgung. Louise Gray beschäftigt sich mit Überfischung, Umweltzerstörung, Industriefleisch und erkundet auch alternative Foodkonzepte. Sie selbst sagt, dass sie in diesem Jahr weit weniger Fleisch gegessen hat als vorher. Denn jedes Töten wird zu einer Auseinandersetzung mit dem Leben, dem Sterben und der eigenen Moral.

Sie geht wieder auf die Jagd. Ein Rothirsch, ist das größte Tier, das sie erlegt. Jedes einzelne aber behandelt sie mit Respekt und größter Dankbarkeit.

Fazit:

Immer wieder habe ich mir die Frage gestellt: Könnte ich das? Nein – ich müsste Vegetarier werden – aber nach „Tiere richtig essen?!“ von Louise Gray weiß ich Fleisch mehr zu schätzen.

Louise Gray: „Richtig Tiere essen?!“,  ISBN 978-3841905062

 

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Ein Highlight aus Japan

Das Debüt von Kanae Minato „Geständnisse“ ist in ihrer Heimat Japan ein Mega-Bestseller mit über 3,5 Millionen verkauften Exemplaren, zahlreichen Preisen und verfilmt wurde der Roman auch schon.

Ich liebe die ganz feine Bösartigkeit dieses Psychothrillers, die in jeder Zeile des Buches schwingt. So etwas hab ich noch nicht gelesen!

Kanae Minato präsentiert uns eine echte Gruselgeschichte. Verlust, Rache und Moral geben den Ton an. Es ist die Geschichte um den Mord an einer 4jährigen, den zwei minderjährige Schüler begehen. Das kleine Mädchen ist die Tochter ihrer Lehrerin Yuko Moriguchi, die sich fürchterlich an ihnen rächt…

 

Am letzten Schultag hält Yoku Moriguchi eine Rede vor der gesamten Klasse. Sie macht öffentlich, wer Ihre Tochter umgebracht hat und erklärt, dass sie nicht zur Polizei gehe, da die beiden Täter nicht strafmündig sind. Stattdessen hat sie die beiden Schüler aber mit dem HI-Virus infiziert.

 

Ihr könnt euch vorstellen, was ab da an in der Klasse los ist! Die Kinder bereiten den ohnehin schon gestraften Jungs die Hölle auf Erden. Es gibt sogar ein Punktesystem für Quälereien, bei dem jeder den anderen übertreffen möchte.

Mobbing vom Feinsten, das aber nur ein Junge ertragen muss. Der andere verlässt ab diesem Tag die Wohnung nicht mehr. Aber das war erst der böse Auftakt zu der mörderischen Geschichte.

 

Fazit:

Ein unglaublich guter Psychothriller, der uns Einblicke in die moderne, japanische Gesellschaft erlaubt. Es geht um Kinder, die dem Leistungsdruck nicht gewachsen sind und daran zerbrechen. Kinder, die Gut und Böse nicht voneinander unterscheiden können und auf Ihrer Suche nach Liebe und Anerkennung im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen. Ein schrecklich gutes Buch!

Kanae Minato: „Geständnisse“, ISBN 978-3570102909

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Ein gradioses Gedankenexperiment

Gerade zum Jahreswechsel passt: „Dark Matter – Der Zeitenläufer“ von Blake Crouch. Mit  seinem Ersterscheinung in Deutschland stand es auf Anhieb in den Top Ten der Spiegel-Bestseller-Liste. Hollywood hat sich die Filmrechte gesichert und diesen Hype finde ich absolut berechtigt.

„Dark Matter – Der Zeitenläufer“ ist Science-Fiction vom Feinsten!

Jason Dessen ist Atomphysiker, seine Frau Daniela Künstlerin – beide haben ihre Karrieren zu Gunsten der Familie aufgeben. Jason arbeitet also jetzt an einem College als Physiklehrer – echt frustrierend, wenn man bedenkt, dass er mit seinen Forschungen die Welt hätte verändern können.

Eines Abends wird Jason dann entführt, betäubt und erwacht in einem Labor. In einem Labor in einer anderen Welt – in der sein Leben ein anderes ist.

Es gibt keine Daniela, keine Familie – es ist ein Leben, in dem sich Jason für die Karriere entschieden hat und zu einem gefeierten Wissenschaftler geworden ist.

Jason braucht einen Moment, um zu erkennen, dass er in einem Paralleluniversum gelandet ist. Mit einer Art Zeitmaschine, die Paralleluniversen öffnet – und die er gebaut hat – eben in einem Paralleluniversum.

 

Verzweifelt sucht er den Weg zurück in seine Welt – aber was er findet sind unendlich viele Universen. Denn jede Entscheidung, die man trifft, lässt ein Paralleluniversum entstehen. Nach Hause zu finden wäre, als würde Jason die berühmte Nadel im Heuhaufen.

Fazit:

Blake Crouch schreibt knapp und sachlich und verbindet gleich 3 Genre: Science Fiction, Wissenschaft und eine Liebesgeschichte, die Jason Dessen durch Raum und Zeit reisen lässt. Wird er sein zu Hause finden? Seine Frau, seinen Sohn? Welche Auswirkung haben seine Entscheidungen auf weitere Universen? Unfassbar gut!

 

Blake Crouch: „Dark Matter – Der Zeitenläufer“, ISBN 978-3442205127

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Great Dixter Garden

Er steht für seinen wunderschönen Ziergarten mit beeindruckenden Kombinationen von Farben und Strukturen, inmitten der englischen Landschaft von East Sussex, der Great Dixter Garden – einer der berühmtesten Gärten Großbritanniens.

Aber im Great Dixter Garden wird auch Obst und Gemüse angepflanzt. Aus der Ernte entstehen leckere Gerichte für die Besucher und Gärtner – gekocht von Aaron Bertelsen.

Great Dixter Garden – ein Platz zum Flanieren, Tiefdurchatmen, Abschalten und Genießen.

Auch kulinarisch. Aaron Bertelsen ist Gärtner und Koch – beides aus Leidenschaft. Und das spürt man auf jeder Seite des Buches. Seine Rezepte reichen von traditioneller englischer bis hin zur modernen, internationalen Küche. Von Apfel-Crumble und Scones über Himbeer-Rote-Bete-Smoothie bis hin zu Börek.

Aber das ist noch nicht alles, was das Great Dixter Garten-Kochbuch ausmacht. Bertelsen verrät Insidertipps für den Anbau von Obst und Gemüse. Seine Lieblingspastinakensorte ist „Gladiator“ und bei schwarzen Johannisbeeren setzt er auf „Boskoop Giant“.

Anschaulich wird alles rund um die Gartenarbeit erklärt, sei es die Auswahl des Saatguts, das Kompostieren und Düngen, die Wahl des Werkzeugs beim Beschneiden, bis hin zum Schutz der Pflanzen.

Und wenn all das erledigt ist, dann kann man es sich mich echten, selbstgemachten englischen Scones auf Sofa gemütlich machen. Am besten schmeckt dazu Erdbeerkonfitüre und natürlich Clotted Cream – aber Frischkäse mit Sahne tuts auch.

Aaron Bertelsen: „Das Great-Dixter Gartenkochbuch“, ISBN 978-0714874005