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3 Bücher fürs Herz

Herzschmerz

…bekommt ihr bei einer der großartigsten Liebesgeschichten: Gilles Frau, von Madeleine Bourdouxhe aus dem Jahr 1937. (Mein absolutes Lieblingsbuch.)

Gille beginnt eine Affäre mit Victorine, der jüngeren Schwester seiner Frau. Erst treffen sie sich heimlich, dann gehen sie sehr offen damit um. Gilles Frau kämpft verzweifelt um ihre Ehe. Sie versucht es mit Verständnis und hört sich die Beziehungsprobleme ihres Mannes an – die er natürlich mit Victorine hat, die ihm schlussendlich den Laufpass gibt und einen anderen heiratet. Eine leidenschaftliche Dreiecksgeschichte, die ganz tief berührt.

Gilles Frau bleibt namenlos – austauschbar oder bescheiden?

Madeleine Bourdouxhe: „Gilles Frau“, 179 Seiten, 9,99 Euro, Piper, ISBN: 978-3492226059

Herzrasen

… bringt uns mit Sicherheit Sebastian Fitzek mit jedem seiner Bücher. Eines jedoch ist besonders: Der Nachtwandler.

Der Architekt Leon Nader und seine Frau Natalie sind vor wenigen Wochen in ihre Traumwohnung gezogen – 5 Zimmer in bester Lage und unverschämt teuer. Eines Morgens verlässt Natalie fluchtartig die gemeinsame Wohnung mit ausgeschlagenem Zahn, einem blauen Auge und einem ausgerissenen Fingernagel… und taucht nicht mehr auf. Leon ist verunsichert – denn er glaubt, dass er Natalie das alles angetan hat – im Schlaf, denn er ist seit seiner frühen Kindheit Schlafwandler. Kurzerhand bestellt er eine Kamera im Internet, die er am Kopf befestigen kann. Damit zeichnet er sein nächtliches Treiben auf…

Sebastian Fitzek verwischt die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit meisterlich und das Ende – ist unfassbar!!!

Sebastian Fitzek: „Der Nachtwandler“, 320 Seiten, 9,99 Euro, Knaur TB, ISBN 978-3426503744

Herzlich

…ist Anton hat kein Glück. Der Autor Lars Vasa Johansson hat eine tragisch, lustige Figur mit Anton geschaffen, die wir sofort in unser Herz schließen.

Anton ist ein – sagen wir „hundsmiserabler“ Zauberer. Das Leben meint es einfach nicht gut mit ihm und versagt ihm jeden Erfolg. Neidisch ist er auf seine früheren Freunde, die mit ihrer spektakulären Zaubershow durchs Land reisen. Eines Nachts verfährt er sich im Wald, hat einen Unfall und muss zu Fuß weiter – er trifft ein Mädchen – eine Waldfee. Sie bittet ihn um 7 Blumen. Anton hat aber im Moment ganz andere Sorgen und ignoriert die Bitte – aber Waldfeen verstehen bei sowas keinen Spaß! Ab sofort wird Anton vom Pech verfolgt…verliert alles und wird zum Kämpfer.

Märchenhaft schön!

Lars Vasa Johansson: „Anton hat kein Glück“, 416 Seiten, 9,99 Euro, Rowohlt Taschenbuch (erscheint am 20. Februar 2018), ISBN 978-3499272714

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Das Winterbuch

Kein Buch passt besser in die kalte Jahreszeit als das Winterbuch von der bereits 2001 verstorbenen Mumin-Erfinderin Tove Jansson. Das Winterbuch ist eine Sammlung von ihren beliebtesten Erzählungen für Erwachsene. Es sind wunderschöne und auch zurückhaltende Geschichten. Geschichten über das Flüstern des Schnees, die Eiseskälte, über das Kindsein, Erwachsenwerden und das Altsein.

Besonders gut hat mir gleich die erste gefallen: Vorschlag für eine Einleitung aus „Die Zuhörerin“. Leise, urkomisch und so menschlich. Eine Frau kann in einer verschneiten Nacht nicht einschlafen. Um 11 Uhr macht sie sich bettfertig. Sie schlägt ein Buch auf und liest vier Seiten, sie wird schläfrig, dreht sich um und dann kreisen die Gedanken… hin und her… her und hin, nach einer halben Stunde schlägt sie das Buch wieder auf… Der Schnee flüstert einfach zu laut 🙂

Tove Jansson beschreibt humorvoll eine Nacht ohne Schlaf – einfach herrlich.

Dann gibt es unter anderem auch noch die Geschichten von Jeremiah einem Geologen im Lotsenhäuschen und einer ganz besonderen Liebe, eine Geschichte über einen schweren Wintersturm, einen Eisberg und natürlich über Weihnachten in einer Künstlerfamilie. Das Atelier des Vaters wird festlich geschmückt, alles hat seinen Platz, seine Tradition und fiebert auf den Heiligen Abend zu.

Jede einzelne dieser 21 Erzählungen im Winterbuch wärmt unser Herz in der kalten Jahreszeit.

Fazit:

Das Winterbuch ist eine gelungene Zusammenstellung von Geschichten aus dem hohen Norden, in dem der Winter noch Winter ist. In diesem Breitengraden gibt es jedes Jahr garantiert Schnee, Eis, Kälte und auch wunderschöne Naturerlebnisse. Die Menschen ziehen sich ins Warme zurück und die Zeit vergeht langsamer. Ruhe kehrt ein. Und genau das vermittelt Tove Jansson mit ihren Erzählungen.

Das perfekte Buch für alle, die den Winter lieben.

Tove Jansson: „Das Winterbuch“, 224 Seiten, 12,00 Euro, Bastei Lübbe, ISBN 978-3431040784

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An Hinterlist nicht zu überbieten

Sabine Durrant: Die Hochstapler!

Sabine Durrant schreibt als Journalistin erfolgreich für den Guardian, den Daily Telegraph und die Sunday Times und genauso erfolgreich schreibt sie Krimis. Ich bin absolut begeistert von „Die Hochstapler“ ein Paukenschlag, Fast Seiten Psychospannung auf aller höchstem Niveau.

Paul Morris ist ein überheblicher Macho, der kurz nach seinem Studium einen Bestseller veröffentlich hat. Jahrelang ging es bei ihm nur um Partys, Alkohol, Frauen, Ruhm. Jetzt ist das Geld aufgebraucht und er schmarotzt sich durchs Leben – und das mit Mitte 40!

Ganz reizender Typ!

Auf einer Feier seines alten Freundes Andrew lernt er Alice kennen, zwei Jahre jünger als er – eigentlich steht Paul mehr so auf Zwanzigjährige – aber Alice ist reich, verwitwet und er wittert seine Chance sich durchfüttern zu lassen. Damit aber nicht auffällt, wie pleite Paul ist, tischt er Alice kleiner Lügengeschichten auf. Und er läuft zur Hochform auf, als er Alice und Andrews Familie in den Urlaub auf die griechische Insel Pyros begleiten soll.

Wer sich jetzt fragt, wo da Psychospannung ist: Auf Pyros ist vor genau 10 Jahren ein Mädchen verschwunden und Alice hat nie aufgehört sie zu suchen… und auch Paul war vor genau 10 Jahren auf dieser Insel… Achte beim Lesen genau auf jede Andeutung – es steckt so viel Hinterlist in diesem Thriller, die ist nicht zu überbieten.

Fazit:

„Die Hochstapler“ hat ein bisschen was von einem Ferienroman. Man kann die Hitze Griechenlands auf der Haut spüren, saftige Orangen riechen, Oliven schmecken, das kobaltblaue Meer sehen und die Zikaden laut zirpen hören. Und unter dieser Oberfläche finden wir die Kaltblütigkeit, Arroganz und Verlogenheit der Hochstapler, die in einem Ferienhaus auf Pyros zusammen kommen.

Sabine Durrant „Die Hochstapler“, ISBN 978-3328101758

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Der etwas andere Buchtipp

Es ist ein fast unglaubliches Experiment, das die Britin Louise Gray gewagt. Ein Jahr lang isst sie nur Fleisch von Tieren, die sie selbst getötet und zerlegt hat. Der Grund: Sie will darauf aufmerksam machen, woher das Fleisch auf unserem Teller kommt und uns auf unsere Verantwortung für unser Essen hinweisen. Das Jahr hat sie in diesem Buch zusammengefasst.

Der hübschen, jungen Louise Gray traut man erst mal gar nicht zu, dass sie die Schwelle des Tötens überschreiten kann.

Ihre erst Jagd wird ein Desaster. Sie schießt auf ein Kaninchen. Der Schuss sitzt nicht und das Tier flüchtet. Louise macht sich schlimme Vorwürfe. Leidet das Kaninchen jetzt? Verblutet es womöglich in seinem Bau bei seinen Jungen? Sie ist kurz davor das Experiment abzubrechen, noch bevor es richtig begonnen hat. Doch dann findet sie das Kaninchen, tot – Genickschuss.

Nach diesem Erlebnis beginnt sie erst einmal Austern zu knacken und Fische zu fangen. Es geht aber nicht nur um die Selbstversorgung. Louise Gray beschäftigt sich mit Überfischung, Umweltzerstörung, Industriefleisch und erkundet auch alternative Foodkonzepte. Sie selbst sagt, dass sie in diesem Jahr weit weniger Fleisch gegessen hat als vorher. Denn jedes Töten wird zu einer Auseinandersetzung mit dem Leben, dem Sterben und der eigenen Moral.

Sie geht wieder auf die Jagd. Ein Rothirsch, ist das größte Tier, das sie erlegt. Jedes einzelne aber behandelt sie mit Respekt und größter Dankbarkeit.

Fazit:

Immer wieder habe ich mir die Frage gestellt: Könnte ich das? Nein – ich müsste Vegetarier werden – aber nach „Tiere richtig essen?!“ von Louise Gray weiß ich Fleisch mehr zu schätzen.

Louise Gray: „Richtig Tiere essen?!“,  ISBN 978-3841905062

 

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Ein Highlight aus Japan

Das Debüt von Kanae Minato „Geständnisse“ ist in ihrer Heimat Japan ein Mega-Bestseller mit über 3,5 Millionen verkauften Exemplaren, zahlreichen Preisen und verfilmt wurde der Roman auch schon.

Ich liebe die ganz feine Bösartigkeit dieses Psychothrillers, die in jeder Zeile des Buches schwingt. So etwas hab ich noch nicht gelesen!

Kanae Minato präsentiert uns eine echte Gruselgeschichte. Verlust, Rache und Moral geben den Ton an. Es ist die Geschichte um den Mord an einer 4jährigen, den zwei minderjährige Schüler begehen. Das kleine Mädchen ist die Tochter ihrer Lehrerin Yuko Moriguchi, die sich fürchterlich an ihnen rächt…

 

Am letzten Schultag hält Yoku Moriguchi eine Rede vor der gesamten Klasse. Sie macht öffentlich, wer Ihre Tochter umgebracht hat und erklärt, dass sie nicht zur Polizei gehe, da die beiden Täter nicht strafmündig sind. Stattdessen hat sie die beiden Schüler aber mit dem HI-Virus infiziert.

 

Ihr könnt euch vorstellen, was ab da an in der Klasse los ist! Die Kinder bereiten den ohnehin schon gestraften Jungs die Hölle auf Erden. Es gibt sogar ein Punktesystem für Quälereien, bei dem jeder den anderen übertreffen möchte.

Mobbing vom Feinsten, das aber nur ein Junge ertragen muss. Der andere verlässt ab diesem Tag die Wohnung nicht mehr. Aber das war erst der böse Auftakt zu der mörderischen Geschichte.

 

Fazit:

Ein unglaublich guter Psychothriller, der uns Einblicke in die moderne, japanische Gesellschaft erlaubt. Es geht um Kinder, die dem Leistungsdruck nicht gewachsen sind und daran zerbrechen. Kinder, die Gut und Böse nicht voneinander unterscheiden können und auf Ihrer Suche nach Liebe und Anerkennung im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen. Ein schrecklich gutes Buch!

Kanae Minato: „Geständnisse“, ISBN 978-3570102909