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Great Dixter Garden

Er steht für seinen wunderschönen Ziergarten mit beeindruckenden Kombinationen von Farben und Strukturen, inmitten der englischen Landschaft von East Sussex, der Great Dixter Garden – einer der berühmtesten Gärten Großbritanniens.

Aber im Great Dixter Garden wird auch Obst und Gemüse angepflanzt. Aus der Ernte entstehen leckere Gerichte für die Besucher und Gärtner – gekocht von Aaron Bertelsen.

Great Dixter Garden – ein Platz zum Flanieren, Tiefdurchatmen, Abschalten und Genießen.

Auch kulinarisch. Aaron Bertelsen ist Gärtner und Koch – beides aus Leidenschaft. Und das spürt man auf jeder Seite des Buches. Seine Rezepte reichen von traditioneller englischer bis hin zur modernen, internationalen Küche. Von Apfel-Crumble und Scones über Himbeer-Rote-Bete-Smoothie bis hin zu Börek.

Aber das ist noch nicht alles, was das Great Dixter Garten-Kochbuch ausmacht. Bertelsen verrät Insidertipps für den Anbau von Obst und Gemüse. Seine Lieblingspastinakensorte ist „Gladiator“ und bei schwarzen Johannisbeeren setzt er auf „Boskoop Giant“.

Anschaulich wird alles rund um die Gartenarbeit erklärt, sei es die Auswahl des Saatguts, das Kompostieren und Düngen, die Wahl des Werkzeugs beim Beschneiden, bis hin zum Schutz der Pflanzen.

Und wenn all das erledigt ist, dann kann man es sich mich echten, selbstgemachten englischen Scones auf Sofa gemütlich machen. Am besten schmeckt dazu Erdbeerkonfitüre und natürlich Clotted Cream – aber Frischkäse mit Sahne tuts auch.

Aaron Bertelsen: „Das Great-Dixter Gartenkochbuch“, ISBN 978-0714874005

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Etwas ganz Besonderes

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… ist die „Die Farbe von Milch“ von der britischen Autorin Nell Leyshon. Der Roman war für den Prix Femina nominiert, neben namhaften Autoren wie James Salter oder Zeruya Shalev. Und allein schon die Geschichte macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem – aber auch die Sprache, die auch in der Übersetzung nichts von ihrem Zauber verloren hat.

Wir schreiben das Jahr 1831. Mary ist gerade 15 geworden, ihr Haar hat die Farbe von Milch und Mary hat einen Gehfehler. Ihr Leben ist alles andere als schön und sorgenfrei. Sie muss auf dem elterlichen Hof mit ihren 3 Schwestern hart arbeiten. Sie kann weder lesen noch schreiben und muss die Gewaltausbrüche ihres Vaters über sich ergehen lassen. Doch dann ändert sich alles… Mary soll ab sofort im Haushalt des Herrn Pfarrer aushelfen.

Aber das Heimweh zieht sie immer wieder zurück auf den Hof des Vaters. Auch, weil ihr Großvater hier lebt, denn die beiden haben ein sehr inniges Verhältnis zueinander. Beim Pfarrer lernt sie eine fremde Welt kennen. Im Kontrast stehen die Armut zu Hause und das bürgerlichen Leben. Mary hat plötzlich ein eigenes Bett, genug zu Essen und liebt es, der Pfarrersfrau Gesellschaft zu leisten. Als diese stirbt, nimmt Marys Schicksal eine dramatische Wendung.

Die Sprache beeindruckt: Mary ist anfangs ungebildet, einfach in ihrer Art, aber klug. Sie ist oft schweigsam, aber wenn sie redet ist sie schlagfertig und trifft den Nagel auf den Kopf. Im Verlauf des Buches gewinnt Mary immer mehr an sprachlicher Sicherheit und das für uns Leser sichtbar zu machen, ist außergewöhnlich. Wir können mitlesen, wie sich Mary entwickelt.

Fazit:

„Die Farbe von Milch“ ist ein Roman über Klassenunterschiede und die Willkür, denen eine junge, standeslose Frau ausgesetzt ist. Das Buch hat mich tief beeindruckt, ja ein Stück weit sogar erschüttert.

Nell Leyshon: „Die Farbe von Milch“, ISBN 978-396161000-6

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Mein Buch des Jahres 2017

Wladimir Kaminer: „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß.“

… ist die schönste Liebeserklärung des Jahres! Und das nach mehr als 20 Jahren Ehe mit seiner Frau Olga. Kaminer weiß tatsächlich, dass russische Frauen speziell sind. Olga strickt gerne, mag Katzen, sammelt im Herbst leidenschaftlich gern Pilze und hat einen grünen Daumen, der nicht davor zurückschreckt aus aller Welt Pflanzen für den heimischen Garten mitzubringen. Geschrieben sind diese 27 Geschichten mit Kaminers unverwechselbarem Humor, der einem die Tränen in die Augen treibt. Gewürzt mit einer ordentlichen Prise Ironie und er lässt kaum ein Klischee über Frauen – speziell über russische Frauen – aus.

Jetzt könnte man denken, Kaminer sei zum Frauenverstehen mutiert… ist er aber ganz und gar nicht! Auf das Verhalten seiner Frau macht er sich seinen ganz eigenen, männlichen Reim. Und auch das ist sehr amüsant. Aber – und da hat er über die Jahre gelernt – er stellt nichts in Frage, sondern akzeptiert Olga, wie sie ist und da schließt sich der Kreis eben zur schönsten Liebeserklärung des Jahres.

Fazit:

„Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß“ ein großer Lesespaß!

Vielleicht aber auch eine Hilfe das Leben als Paar gelassener zu sehen – vielleicht sogar das Rezept für eine lange, erfolgreiche Ehe.

Wladimir Kaminer: „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß“, ISBN 978-3336547609