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Harter Tobak! Aber genial!

Seit 2015 ist Kat Kaufmann eine der Nachwuchsautorinnen in Deutschland. Für ihr Debüt „Superposition“ erhielt sie den Aspekte-Literaturpreis. Mit „Die Nacht ist laut, der Tag ist finster“ wagt sie einen mutigen Schritt, weg von allen Konventionen – von allen gängigen Genres, die derzeit in den Buchhandlungen gut laufen. Kaufmann schreibt aus voller Seele Gegenwartsliteratur – und das klug, mit einem außergewöhnlichen Gespür für die Geschichte.

Opa Ernst stirbt – er war die wichtigste Bezugsperson für Jonas, einem psychotischen Studenten in Berlin. Sein Opa hinterlässt ihm 5.000 Euro und einen Zettel, auf dem steht „Finde Valerij Butzukin“. Jonas ist sofort klar, er muss Butzukin in Russland suchen – aber wer zu Hölle ist dieser Typ? Vielleicht sein leiblicher Vater? Und wie kommt er nach Russland – es tobt nämlich mittlerweile der Kalte Krieg 2.0 und die Grenzen sind dicht.

Gibts ne Lösung für dieses Problem? Klar, man muss nur suchen. Jonas lernt in einem Club zwei russische Schlägertypen kennen, die ihn nach Moskau bringen. Das ist der Beginn eines wahren Höllentrips – im physischen wie auch im psychischen Sinn. Jonas ist völlig überdreht und hat Schwierigkeiten Wahn von der Wirklichkeit zu unterscheiden. Und oft hatte ich das auch!

Fazit:

Es steckt so viel drin im neuen Roman von Kat Kaufmann. Es geht um Verlust und Freundschaft. Es geht um eine Welt, die im Chaos versinkt und um Menschen, die versuchen sich in diesem Chaos nicht zu verlieren. So muss Jonas seine Identität finden, sich für etwas einsetzen lernen, auch wenn das sein Leben gefährdet.

Kat Kaufmann: „Die Nacht ist laut, der Tag ist finster“, 272 Seiten, 20 Euro, Hoffmann und Campe, ISBN 978-3-455-00105-1

Challenge zuckerfrei Tag 1

Es gibt Tage, an denen ist man froh, wenn sie vorbei sind. Heute ist so ein Tag!

Ich hab mich richtig auf die Challenge gefreut. Heute morgen hoch motiviert:

  • großer Kaffee mit einem Schuss Milch
  • 2 Liter Tee über den Morgen
  • eine Handvoll Nussmix als der Magen geknurrt hat um 7

Um 12 Uhr war ich dann zu Hause – eine himmlische Mahlzeit ohne Zucker sind Mozzarella-Bällchen mit Tomaten und ich hab einen tollen Balsamico-Essig, ebenfalls ohne Zucker, hier müsst ihr aber unbedingt auf die Zutatenliste achten!

  • Mini-Mozzarella-Bällchen (125g), Tomaten und etwas Balsamico-Essig

Um ungefähr zu wissen, wie viel natürlichen Zucker ich zu mir nehme, habe ich fleißig alle Lebensmittel in die App ErnährungPro eingetragen und dann der Schock: Trotz nur 1.000 Kalorien und nur fast 7g Zucker habe ich meinen heutigen Bedarf an FETT schon längst gedeckt!!! (Gut, keine Panik! Ich hab keinen Vergleich zu meinem schokolastigen Leben vor der Challenge.)

Jetzt ist Nachmittag und ich bin wie erwartet nicht in die Strümpfe gekommen und habe

  • 4 Trockendatteln

gegessen – das gibt erstmal genug Schub. Ich habe mir aber fest vorgenommen auch auf die Datteln bzw. das Trockenobst in den nächsten Wochen zu verzichten.

Wusstet ihr, dass Zucker auch in Brot gemischt wird? Und damit nicht genug, auch Enzyme werden zugesetzt. Enzyme spalten Stärke und hinterlassen Einfachzucker und das Schlimmste daran, sie müssen nicht auf der Verpackung angegeben werden, da sie nur ein „Verarbeitungshilfsstoff“ sind. Meine Alternative: Selbst backen! Ich hab mein Lieblingsbagel-Rezept ein bisschen modifiziert (Zucker weggelassen) 🙂

Zuckerfreie Bagels:

500g Mehl, 1 Päckchen Trockenhefe, 1 Tl Salz, 250ml lauwarmes Wasser (bei Vollkornmehl etwas mehr), 2 EL Olivenöl, 1 Ei

Alles gut zu einem Teig verkneten und 1 Stunde an einem warmen Ort gehen lassen. Dann den Teig noch mal kneten und in 8 gleiche Portionen teilen. Jede Portion zur Kugel formen und mit einem bemehlten Kochlöffelstiel in der Mitte eindrücken. Das Loch ein bisschen weiten und die Bagels noch mal von beiden Seiten mit Mehr bestäuben. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen und auf den Boden eine Schüssel mit Wasser stellen. Das Ei mit 2 EL Wasser verquirlen und auf die Bagels streichen, dann mit Mohn oder Sesam bestreuen. Die Bagels brauchen rund 20 Minuten im Ofen – dabei nach 10 Minuten die Schüssel mit dem Wasser entfernen.

  • 1 Bagel (schmeckt warm am besten)
  • 1 großer Kaffee mit Milch
  • Wasser

Tag 1 geschafft – ohne gravierende Schwierigkeiten… die kommen aber bestimmt noch 🙂

Auflösung von Challenge zuckerfrei 0.0: ca. 20g, also 7 Würfelzucker laut Spiegel.de

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Aus dem Bücherregal

Die israelische Autorin Zeruya Shalev wurde mit ihrer Trilogie „Liebesleben“ – „Mann und Frau“ und „Späte Familie“ bekannt. Liebesleben wurde zum Weltbestseller und auch durch die Verfilmung in Deutschland ein riesen Erfolg. 2015 ist „Schmerz“ erschienen. Ein Buch, in dem wir die tiefe, fast extreme Leidenschaft und emotionale Grenzerfahrung wiederfinden. Und das alles vor dem Hintergrund eines zerrissenen Landes, in dem die Menschen täglich neu versuchen, mit den Gefahren des Terrors umzugehen.

In Jerusalem lebt die 45jährige Iris, seit rund 20 Jahren mit Micki verheiratet, Mutter von 2 Kindern und erfolgreiche Schulrektorin. Doch Iris quält der Schmerz – vor 10 Jahren wurde Sie Opfer eines Selbstmordanschlages. Ihr Körper flog durch die Luft, wurde nahezu zerfetzt und noch sitzen Splitter tief, die nicht entfernt werden konnten…

Shalev selbst wurde 2004 Opfer eines Terroranschlags in Jerusalem und erzählt uns, wie sie den Anschlag überlebt hat und auch über ihre Verletzungen. Immer wieder taucht die Frage auf, was wäre gewesen, wenn ich an diesem Tag nur 5 Minuten früher oder später oder gar nicht dort gewesen wäre… Es war wohl Schicksal.

Diesem Schicksal, dass alles entscheidet, gibt sich auch Iris hin. Aber es kommt der Zeitpunkt, an dem sie aktiv Entscheidungen treffen muss und wird. Alles beginnt mit der Entscheidung zur Schmerztherapie. Ein gut konstruierter Roman, dann diese Entscheidung ist der Punkt der Auflösung. Iris behandelnder Arzt ist ihre Jugendliebe.

Eine Liebe, über die Iris nie hinweg gekommen ist. Als er sie verlassen hat, lag sie wochenlang im Bett, nicht fähig sich zu bewegen oder zu essen. Der Schmerz war so tief, dass sie keinen Sinn mehr im Leben gesehen hat.

Jetzt mit ihrem Wiedersehen brechen die alten Wunden wieder auf und Iris beginnt eine Leidenschaftliche Affäre mit ihm – es entsteht ein emotionales Chaos aus Schmerz – seelisch und körperlich – Liebe, Leidenschaft, Schuldgefühlen und es schwingt eine Art Aufbruchsstimmung mit – denn Iris Leben steht kurz vor einer massiven Veränderung.

Fazit:

„Schmerz“ von Zeruya Shalev ist kein Roman, den man eben mal so weg liest. Er ist tiefgründig und macht darauf aufmerksam, dass wir mit dem was wir haben glücklich sein können. Iris tut mir ein bisschen Leid – schließlich hat sie fast 20 Jahre ihres Lebens gelitten. „Schmerz“ ist für mich das perfekte Buch für eine emotionale Achterbahnfahrt auf dem Sofa mit einer heißen Tasse Tee, dem Lieblingskuschelpulli und Wollsocken. Großartige Literatur!

Zeruya Shalev: „Schmerz“, 384 Seiten, 24 Euro, Berlin Verlag, ISBN 978-3-8270-1185-5

Challenge zuckerfrei 0.0

Morgen soll es los gehen! Und es sieht ganz so aus, als ob es sich hier um eine der supertollen Ideen für die Neujahrsvorsätze handelt… Tatsächlich aber ist es Zufall.

Bereits im letzten Jahr hat mein Kollege Bastian die „Aktion zuckerfrei“ ins Leben gerufen und uns mächtig mit seinem Durchhaltevermögen, seinen Ideen und neuen Essgewohnheiten beeindruckt.

Für mich ist klar: ich esse zu viel Zucker. Warum? Ich brauche schnelle Energie und das mehrmals am Tag. Zur Frühschicht, um in die Strümpfe zu kommen, nach dem Schläfchen am Mittag, um in die Strümpfe zu kommen und dann steht das Zeug überall rum – da greift man gerne mal hin.

35 Kilogramm Zucker, das sind rund 33 Zuckerwürfel am Tag, essen wir im Durchschnitt jährlich. Viel zu viel!

4 Wochen will also auch ich jetzt auf Zucker verzichten. Allerdings in der „light“ Version. Natürlicher Zucker ist erlaubt (Obst, Laktose usw.), alle Lebensmittel, denen Zucker zugesetzt wurde sind tabu.

Das Experiment verspricht viel: Gewichtsabnahme, besserer Schlaf, bessere Haut, Verbesserung der Konzentration, bessere körperliche Fitness… Genau davon werde ich in diesem Blog berichten. Wie geht es mir ohne Zucker – körperlich?  Was macht meine Psyche? Wo liegen die Schwierigkeiten? Was steht auf dem Speiseplan?

Sport- und Bewegungstherapeut Raphael wird mich in dieser Zeit unterstützen – das macht es etwas leichter was das Knowhow angeht. Um der Versuchung zu widerstehen bräuchte ich allerdings eine 24-Stunden-Betreuung!

Zur Einstimmung:

Wie viel Zucker enthält eine Tafel Schokolade (100 Gramm)? (Auflösung folgt morgen)

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Als Hemingway mich liebte

… ist die Geschichte über den Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway und seine Ehefrauen, geschrieben von der jungen Autorin Naomi Wood aus London.

Und ich finde ihn großartig – also Roman und Figur. Hemingway ist charismatisch, leidenschaftlich, männlich und dann doch wieder so kindlich im Umgang mit Frauen, wenn er sich verliebt hat. Und er hat sich oft verliebt – das ist auch nichts Ungewöhnliches. Aber die Anzahl der Frauen, die er heiraten wollte schon. Am Ende hat er es auf 4 Ehefrauen gebracht, die zeitlebens mit ihm verbunden waren: Hadley Richardson, Pauline Pfeiffer, Martha Gellhorn und Mary Welsh.

Es stellt sich die Frage, wie viel Wahrheit wohl in diesem Roman steckt – gefühlt finde ich eine ganze Menge. Der Autorin gelingt es, die Emotionen der 4 Frauen so zu beschreiben, dass man am liebsten mitheulen möchte, jedesmal, wenn eine Ehe in die Brüche geht. Ich hab richtige Aggressionen für jede neue Frau gespürt und sie dann genauso lieb gewonnen, wie die davor. Hemingway erscheint eher wie ein Spielball dazwischen – ein sensibler Künstler, der sich alles erlauben kann und den Weg des geringsten Widerstands geht. Ja, und auch ein bisschen gesteuert von seinem besten Stück… Aber es bleibt trotzdem nur Fiktion, die in die Welt Hemingways von den 20er bis in die 60er Jahre eingebettet ist.

Besonders gut hat mir die ausweglose Lage gefallen, in die sich Hadley – Hemingways erste Frau – bringt, als sie ihre Freundin Pauline einlädt, mit ihnen den Urlaub zu verbringen. Sie spürt, dass sich zwischen Pauline und Ernest etwas anbahnt und glaubt, wenn sie beide in ihrer Nähe hat Schlimmeres verhindern zu können. Aber diese Ménage-à-trois treibt Pauline geradezu in Ernest Arme – wie wir ja wissen – sie wird Ehefrau Nummer Zwei.

Fazit:

„Als Hemingway mich liebte“ ist ein fantastischer Roman mit unglaublich viel Liebe, Leidenschaft, Verzweiflung und Schmerz, die auf den Leser überspringen. Es bringt uns den großartigen Ernest Hemingway näher – sein Leben in Armut, in den Kreisen der Bohème der 20er und im Krieg, in den es ihn immer wieder zieht.

Es zeigt uns, wie nah Genie und Wahnsinn sind.

Naomi Wood: „Als Hemingway mich liebte“, 368 Seiten, 20 Euro, Hoffmann und Campe, ISBN 978-345540559-0