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Dubai – 5 Stunden

Starttag unserer Mini-Kreuzfahrt durch den Orient!

Und gleich am Morgen ist was sehr Außergewöhnliches passiert: Wir waren mit einigen wenigen anderen die ersten am Frühstück 🙂 Der Plan für heute: altes Viertel – Gewürz- und Goldmarkt, Entfernung einschätzen und Metro fahren.

Von unserem Cruise-Terminal 3 in Dubai sind wir aufs Taxi angewiesen, das kostet allerdings wenig. Sollte man keine AED haben, dann nimmt der Fahrer gerne Euro, Dollar, Sloti – alles – und nur im Notfall eine Kreditkarte. Es gibt Taxis mit roten, blauen oder schwarzen Dächern, die sind super, wenn man mit einem Kerl wie Carlos unterwegs ist – als Frau sollte man immer in die Taxis mit den pinken Dächern einsteigen. (Spezielle Taxis für Frauen, die auch von Frauen gefahren werden.) Ich frag mich, ob die Innenausstattung auch pink ist… Die komplett schwarzen Taxis sind meist teurer – aber auch mit denen kommt man an.

40 AED (9,50 Euro) hat es bis zum Gewürzmarkt gekostet. Und schön Chili-Cashews eingekauft – weil Onkel Richard immer sagt: halte Smaltalk und sei freundlich 🙂 Carlos hat aber gehandelt was das Zeug hält und einen guten Preis für uns rausgeholt.

Der Goldmarkt – für alle, die Schmuck toll finden wohl ein Paradies. In der Auslage Ketten – meist für Hochzeiten und alles, was man sich vorstellen kann. Auf dem Goldmarkt kann man sogar ne Rolex kaufen! Unterschiedliche Männer schleichen sich an, laufen 3 Schritte neben einem und dann: „Rolex?“ „Für die Frau hab ich auch Taschen…“ Nein, wir sind in keine Privatgemächer und haben Uhren oder Taschen für die Familie gekauft 🙂

Mein Lieblingsfortbewegungsmittel ist die Metro in Dubai. Sie befindet sich immer noch im Bau, aber es gibt schon 2 Linien, die rote und die grüne.

Damit kommt man kostengünstig überall schnell hin. Das System ist dem in Taiwan sehr ähnlich – ich wünschte unsere S-Bahnen würden mal so aufrüsten… Die „nol“ (eine wiederaufladbare Karte) wird am Ein- und Ausgang gescannt und man bezahlt nur die gefahrene Strecke – die Karte ist in allen Zonen zu jeder Tageszeit gültig. Bekommt ihr am Infoschalter in jeder Metrohaltestelle. Die erkennt ihr an den futuristischen Bauten – sehen aus wie kleine Ufos.

In der Metro ist Kaugummi verboten, Essen auch, dafür kann es sogar eine Geldbuße geben – und… 100 AED, wenn sich Männer über die pinke Linie wagen:

Tür geht auf, alles drängt sich und es ist kaum ein durchkommen. Wir quetschen uns rein, ich ab durch die Mitte. Leider konnte ich das nicht auf einem Bild festhalten, ich musste mich nämlich festhalten: Ich allein unter Männern! Allein! Denn auf der anderen Seite trennt eine pinke Linie die Frauen in einen gemütlichen, leeren Wagon ab. Wenn man das weiß, dann sieht das geübte Metrofahren so aus:

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das Diskriminierung ist oder einfach nur nett. Aber egal – ich sitze ab sofort im pinken Abteil.

Der weiteste Stop heute war „World Trade Center“.

Burj Khalifa, das Aquarium und die Palme müssen bis Sonntag warten. Jetzt sind wir auf dem Weg nach Doha/ Katar.

PS: Diese Eisbar ist gefährlich: Summe heute – insgesamt: 11 Bällchen!

PPS: Warum gibt es kein Foto von der Skyline? Machmal sollte man nur den Moment genießen, deshalb empfehle ich an dieser Stelle die Google-Bildersuche 😉

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Psychothriller vom Feinsten!

Auf der Frankfurter Buchmesse hab ich mit Katharina Eichler vom Penguin-Verlag zusammengesessen und über mögliche Besprechungen gehirnt. Darunter war auch „Die Beobachterin“ von der schwedischen Autorin Caroline Eriksson. Ich hab sofort abgelehnt: „Das kann ich nicht machen, das ist doch wieder eine Frau, die das Haus nicht verlässt und ihre Nachbarn beobachtet… wie ‚The woman in the window‘.“ Aber Frau Eichler hat nicht locker gelassen: „Nein, das ist anders! Versuchs!“

Ich hab es nicht nur versucht, sondern das Buch ein einem Tag verschlungen!

Flüssiger, leichter Schreibstil, keine Sekunde langweilig, sensationell guter Plot ohne viel Blut, aber voll Psycho. So, also um was gehts genau?

Elena hat sich von ihrem Mann getrennt und zieht in ein Reihenhaus in einem schwedischen Vorort. Sie versucht allein zurecht zu kommen, ohne die große Liebe ihres Lebens. Zudem ist sie Autorin, die schon lange keinen Roman mehr geschrieben hat und sie bringt die Tage damit zu, die neuen Nachbarn zu beobachten. Denn das ist der Stoff, aus dem neue Romane entstehen – aus dem Beobachten. Und dort passieren tatsächlich merkwürdige Dinge… als dann noch der 13jährige Nachbarsohn Leo bei Elena aufkreuzt und seltsame Andeutungen macht, wird Elenas Fantasie weiter befeuert. Sie wirkt fast besessen und fürchtet, dass demnächst etwas Schlimmes passieren wird… Sie muss helfen und bringt sich dabei selbst in tödliche Gefahr.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt. „Wirklichkeit“ und Fiktion werden so vermischt, so dass wir sie nicht mehr auseinanderhalten können.

Und wenn ich die letzten beiden Absätze jetzt lese, dann klingt es tatsächlich wie ‚The woman in the window‘ 🙂 Aber mehr kann ich nicht verraten! Vertraut Frau Eichler und mir: Es ist wirklich anders!

Fazit:

Top! Ein sensationell guter Psychothriller, der dem gerade so viel gelesenen Genre absolut gerecht wird. Caroline Eriksson schafft es, uns lange auf der falschen Fährte zu lassen und erst in der letzten Sekunde die Auflösung zu präsentieren. Wobei, die hätte ich mir anders vorgestellt – aber das wäre wahrscheinlich auch zu vorhersehbar gewesen 🙂

Caroline Eriksson: „Die Beobachterin“, 336 Seiten, 13, 00 Euro, Penguin Verlag, ISBN 978-3328100430

 

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Klugscheißer-Alarm!

Jeder kennt sie – jeder hat ein gespaltenes Verhältnis zu Ihnen – die Klugscheißer! Sie tauchen überall auf: auf der Arbeit, im Freundeskreis und am schlimmsten: in der Familie! Egal wie wir mit ihnen leben: nachsichtig, genervt, liebend – es ist doch ganz schön anstrengend.

Genau so ein Klugscheißer – naja, ein besonderes Prachtexemplar ist Timo Seidel aus Brühl. Im Leben hat er bis jetzt nichts auf die Kette bekommen: Studium abgebrochen, im Studentenjob im Call-Center hängengeblieben und sich von Freundin Cleo aushalten lassen. Und dann kommt es Dicke für Timo: er wird gekündigt und am gleichen Abend zieht Cleo aus der gemeinsamen Wohnung aus – im Grunde lässt sie nur den Hamster da. Timo gammelt noch ein paar Wochen rum, muss seinen heißgeliebten BMW abgeben und dann kommt ihm der Lehrermangel zu Pass. Er kann eine Stelle als Aushilfslehrer in einer Abendschule ergattern.

Timo fühlt fast so wie James Bond, der ist ja schließlich auch beim Staat angestellt. Er wird also fürs klugscheißen bezahlt. Klugscheißer Royale!

Ich hab den Autor Timo, äh Thorsten Steffens gefragt, ob er selbst ein Klugscheißer ist, immerhin ist er ebenfalls Lehrer…

Thorsten: „Ich selbst würde ja nein sagen. Aber angesichts der Tatsache, dass eine Kollegin dachte, es handle sich bei „Klugscheißer Royale“ um einen Ratgeber, komme ich bei dieser Frage doch kurz ins Grübeln.“

Wie ist deine Beziehung zu Cleo heute und was ist aus Desiree geworden?

„Ich glaub’s ja nicht! Da gibt man hier ein Interview und die liebe Nicole spoilert direkt das Buch! Dabei hatte ich doch gehofft, dass beim Lesen von Timos und Cleos Geschichte zumindest kurzzeitig bei dem ein oder anderen „Harry & Meghan“-Gefühle aufkommen.“

Thorsten, hast du jemals darüber nachgedacht ein Lexikon zu schreiben – die Anfänge sind ja schon gemacht…?

„Du meinst, so eine Art „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ á la Bastian Sick? Ich befürchte, dafür fehlt mir das Fachwissen, denn so sprachlich bewandert, wie ich mich immer gebe, bin ich leider gar nicht 🙂

Außerdem wäre mir solch ein Lexikon viel zu viel Arbeit. Da konzentriere ich mich lieber auf das Schreiben von Romanen – das geht viel schneller und macht auch mehr Spaß.

Nur das Veröffentlichen ist nicht ganz so einfach. Bei „Klugscheißer Royale“ hat es wahrhaftig neun Jahre gedauert. Geschrieben habe ich die erste Fassung nämlich schon im Sommer 2009. Danach habe ich das Manuskript verschiedenen Verlagen angeboten, die den Titel und auch den Schreibstil zwar toll fanden, aber trotzdem abgelehnt haben. Dann hat es noch einmal eine Literaturagentur versucht, bei der ich 2011 unter Vertrag stand. Wieder ohne Erfolg. Dass der „Klugscheißer“ nun doch noch veröffentlicht wurde ist meinem jetzigen Agenten zu verdanken, der das Buch tatsächlich innerhalb weniger Monate vermitteln konnte. Auf einmal gab es sogar zwei Verlage, die Interesse hatten. Tja, ich glaube, man muss einfach nur zur richtigen Zeit an die richtigen Menschen geraten.“

Erzähl was über dein nächstes Buch „Dann bleib ich eben sitzen“…

„Oh, darauf freue ich mich schon sehr. Es wird im März nächstes Jahr erscheinen und ist mein erstes Jugendbuch. Darin geht es um Tim, der gerade die neunte Klasse wiederholt. Weil seine Noten aber immer noch nicht besser geworden sind, droht seine Mutter ihm mit den Worten: „Wenn du dieses Jahr wieder sitzenbleibst, kannst du zu deinem Vater ziehen!“ Tim fragt sich daraufhin, ob das Leben bei seinem Vater wirklich so viel schlechter wäre als bei seiner Mutter und beschließt deshalb, absichtlich sitzen zu bleiben. Das Buch ist als Schullektüre für die Klassen 7 bis 10 konzipiert.“

Fazit:

„Klugscheißer Royale“ ist witzig, klug und bedient ein Klischee nach dem anderen – aber Leute, genauso ist es – oder so stellt man sichs vor 🙂 Teenager mit Gossenslang, Lästerbacken bei der Arbeit, Sex mit der Ex und ein Besserwisser namens Timo. „Klugscheißer Royale“ macht einfach nur Spaß – genauso wie das Interview mit Thorsten Steffens – vielen Dank!

Mehr von Thorsten Steffens „Klugscheißer Royale“ (eine kostenlose „Klugscheißer-Weihnachtsgeschichte“) gibts im diesjährigen Piper Adventskalender ab dem 1. Dezember und gratis zum Anhören auf Thorstens Homepage:

Thorsten Steffens: „Klugscheißer Royale“, 232 Seiten, 12,99 Euro, Piper, ISBN 978-3492501651

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Back in Castle Rock!

Der neue King ist da: „Erhebung“! Erst diesen August ist „Der Outsider“ erschienen – nicht irritieren lassen, der Mann schreibt wie am Fließband.

Und es geht endlich mal wieder zurück nach Maine, nach Castle Rock. Die Stadt von „Dead-Zone, das Attentat“, „Needful things“ und „Cujo“. Hier lebt Scott mit seinem Kater im Nobelstadtteil Castle View. Er programmiert Webseiten und ist – ganz Klischee – übergewichtig.

Eines Tages nimmt er ab. Nichts Ungewöhnliches, aber seine dickliche Körperstatur bleibt. Heißt, er verliert täglich an Gewicht – das zeigt die Waage an, aber die Masse bleibt bestehen…

Das kommt euch bekannt vor? Klar – das Motiv hat King 1984 schon mal verwendet in „Thinner“. Aber diesmal gibt es keinen Fluch – es gibt keinen Grund für das was passiert und Scott will es auch gar nicht wissen. Er weiß nur, bei 0 ists vorbei. Bis dahin will er die Zeit sinnvoll nutzen. Da gibt es zum Beispiel noch das Problem mit den neuen Nachbarinnen. Deren Hunde erledigen ihr Geschäft regelmäßig auf Scotts Rasen. Einfach nur nervig!

Scott kanns regeln und es geht nicht wirklich um Hundehaufen ☺ Seine neuen Nachbarinnen sind homosexuell und verheiratet – das ist der spießigen, republikanischen Kleinstadt Castle Rock ein Dorn im Auge. Lesbisch ja, das kann man dort tolerieren, aber verheiratet nein, das geht zu weit. Scott kämpft für die beiden – trotz Hundehäufchen.

Fazit:

„Erhebung“ ist ein schlankes Buch mit gerade mal 144 Seiten, an dem King-Fans nicht vorbei kommen. Es ist anders – fast schon modern für einen King, melancholisch und ruhig. Es ist kein direkter Angriff auf Trump – wie wir wissen kann King Trump nicht wirklich leiden – aber es ist eine Rüge gegen ideologische Hetze. Dass die beiden Frauen am Ende von allen akzeptiert werden, zeigt den guten Geist der Amerika immer noch erfüllt und zusammenhält.

Ich habe viel über „Erhebung“ nachgedacht und halte es nicht für die passende Übersetzung. „Elevation“, so der Originaltitel kann auch bedeuten: Erhöhung, Erhabenheit, Hochheben. Ihr werdet sehen, was ich meine.

Stephen King: „Erhebung“, 144 Seiten, 12,00 Euro, Heyne Verlag, ISBN 978-3453272026

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Echte chinesische Küche zum Nachkochen!

Authentische chinesische Küche in Europa zu bekommen ist schwieriger, als ihr jetzt denkt, denn viele Restaurants sind dem europäischen Geschmack angepasst, was Gerichte und auch Ausstattung der Gasträume angeht. Im Phaidon Verlag ist das Kochbuch „China“ erschienen. Ein Versuch von den Autoren Kei Lum und Diora Fong Chan traditionelle chinesische Küche vorzustellen.

Und es ist erstaunlich gut gelungen. Kei Lum und Diora Fong Chan stammen beide aus Familien mit einer großen Wertschätzung für gutes Essen und Küchenkultur. „Nicht mit den Händen kocht man, sondern mit dem Herzen“ ist der Leitspruch, der sich durch dieses Buch zieht. Und das Buch war ein ehrgeiziges Projekt. Die beiden Autoren wollten einen Querschnitt durch die chinesische Küche und die Traditionen jeder Region zeigen. Aber China ist ein riesiges Land!

Meine Freundin Ling-Lin kommt aus Shanghai, ihr habe ich das Rezept vom „Drunken Chicken“ vorgelegt. Wohlwollend hat sie genickt: „Das ist gut – ja, das passt“. Ein Drunken chicken – ein betrunkenes Huhn – sieht auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär aus, aber es hat ein äußerst vielschichtiges und kräftiges Aroma. In Shanghai wird das Hähnchen gedämpft oder pochiert und dann einen ganzen Tag in Weinmarinade eingelegt. Serviert wird das Drunken Chicken – nach stolzen 26 Stunden Marinierzeit – kalt mit frischen Apfelschnitzen.

Kei Lum und Diora Fong Chan haben es geschafft. Sie präsentieren China mit über 650 authentischen Rezepten aus 8 Großregionen und 12 Unterregionen. Mit diesem Kochbuch gelingt es jedem außerhalb Chinas, die Rezepte nach zu kochen. Zumindest mit Unterstützung des Asialandens um die Ecke.

Neben den Rezepten aus Shanghai, Beijing, Guangdong und Sichuan, um nur einige zu nennen, erfährt man viel über die Geschichte der chinesischen Esskultur und die verschiedenen Gartechniken. Wenn Chinesen zu Tisch bitten, dann kommen viele verschiedene Gerichte auf den Tisch. In der Regel so viele, wie Menschen am Essen teilnehmen. Die Anzahl der Portionen im Buch beziehen sich auf diese Tischkultur. Sind beispielsweise 4 Personen angeben, dann sollte es mit drei bis vier anderen Gerichten und Reis serviert werden. Und das geschieht auch nach einer bestimmten Reihenfolge: Zuerst kalte Gerichte, dann die warmen von leicht nach schwer. Eine leichte Brühe oder Suppe zu Beginn oder am Ende und nur bei besonderen Gelegenheiten darf auch ein Dessert dabei sein.

Kei Lum und Diora Fong Chan: „China – Das Kochbuch“, 720 Seiten, 45 Euro, Phaidon by Edel, ISBN 978-3944297293.