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Über Titanen, Götter und Nymphen

Kennt ihr das? Ihr fangt an ein Buch zu lesen und könnt nich mehr aufhören – egal wie müde ihr seid, egal welche Arbeit sonst noch auf euch wartet… es gibt nur noch dieses Buch. Genau so ein Buch ist Ich bin Circe von Madeline Miller. Für mich und wohl auch für viele Amerikaner, denn es stand wochenlang auf der New-York-Times Bestseller-Liste.

Es handelt von der kleinen Nymphe Circe aus Homers Odyssee, die sich in Odysseus verliebt und seine Männer in Schweine verwandelt. Ich bin Circe ist quasi Homer 2.0.  Moderner und mit einem eher ungewöhnlichen Blick auf die Figuren der Mythologie.

Circe, die Tochter von Helios dem Sonnengott und der Nymphe Perse entdeckt durch einen Zufall ihre Zauberkraft. Sie verwandelt ihre große Liebe, den Fischer Glaukos, in einen Gott. Dazu muss man wissen, Nymphen haben eigentlich keine Zauberkräfte. Aber Circe benutzt so genannte Pharmaka – Kräuter und Giftpflanzen für ihre Verwandlungen. Man könnte behaupten, sie ist die erste Hexe überhaupt. Und eine, vor der Zeus so einen großen Respekt hat, dass er sie direkt auf eine einsame Insel verbannt. Aber dort bleibt sie nicht allein. Sie hat eine Liaison mit Hermes, Daidalos schaut vorbei und natürlich Odysseus, in den sie sich ja verliebt. Mit Glaukos, dem Fischer, hats nicht geklappt…

Fazit

Ich bin überrascht, wie leicht Madeline Miller uns die griechische Mythologie vermittelt. Die unterwürfige Circe bei Homer wird bei ihr zu einer starken, mutigen Frau, die ihren Weg geht und sich am Ende entscheiden muss, ob sie zu den Göttern gehören will, oder zu den Sterblichen, zu denen sie sich Zeit ihres Lebens hingezogen gefühlt hat.

Ein Buch mit echtem Suchtpotential.

Madeline Miller: Ich bin Circe, aus dem Englischen von Frauke Brodd, 528 Seiten, Eisele Verlag, 24 Euro, ISBN 978-396161068-6.

2 replies »

  1. Inwiefern ist Kirke bei Homer denn unterwürfig? Sie schwört, mit dem Schwert bedroht, ihm nichts anzutun. Was vernünftig klingt, doch letztlich nur symbolisch ist, sie ist unsterblich. Sie nimmt sich dann Odysseus ein Jahr als Liebhaber, wie es die Götter öfter mit Sterblichen tun, und hilft ihm letztlich auf dem Weg nach Hause, was Größe zeigt. Damit ist sie eine der aktivsten, sympathischsten und wissendsten Figuren der Odyssee.
    Das spannende bei Miller ist ja, dass sie praktisch 1:1 die Kirke-Mythen nacherzählt und psychologisch unterfüttert. Auch Scylla, Telegonos usw. Diese Geschichten gab es teils prä-, teils posthomerisch. Und Miller bleibt, die Handlung betreffend, ganz eng am ursprünglichen Material.

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    • Lieber Soeren, ja, da hast du Recht. Bei Madeline Miller wird Cicre von einer unterwürfigen zu einer starken Frau – das beschreibt Homer nicht so, da ja die Episode mit Circe zu kurz ist, um ein ganzes Leben zu erzählen. Aber eine Göttin, die am Webstuhl sitzt, Hermes, der Odysseus verrät, wie er Circe überlistet und eine Circe, die „meine Kniee umfassend und wehklagend sprach“ (10. Gesang, 299-328) ist eine Frau, wie Homer sie in seiner Zeit kannte – unterwürfig – aber als Göttin stark und bestimmt.

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